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08.07.2019 | Medizin, Gesundheit & Wellness | geschrieben von Gundolf Meyer-Hentschel¹ | Pressemitteilung löschen

Zerstören Erwachsene durch Fernsehen ihr Gehirn?

Die Auswirkungen von Fernsehen auf die psychische und körperliche Entwicklung von Kindern beschäftigt Wissenschaftler seit vielen Jahren. Durch die Zunahme der Zahl älterer Menschen in den Industrieländern sind seit einiger Zeit auch Senioren in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Senioren und Fernsehen ist zu einem Trendthema geworden.

Hoher Fernsehkonsum kann dem verbalen Gedächtnis schaden

Dies belegt eindrucksvoll eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung, in der Daten einer englischen Langzeitstudie (The English Longitudinal Study of Aging) ausgewertet wurden. Studienteilnehmer (Durchschnittsalter 67 Jahre), die täglich mehr als dreieinhalb Stunden vor dem Fernseher verbrachten, hatten nach sechs Jahren ein signifikant schlechteres verbales Gedächtnis als Menschen mit einem geringen Fernsehkonsum. Je länger die tägliche Zeit vor dem Fernseher, desto schlechter wurde das Sprachgedächtnis. 2006 war eine chinesische Studie zu ähnlichen Ergebnissen zum Thema Senioren und Fernsehen gelangt.

D. Fancourt and A. Steptoe. Television viewing and cognitive decline in older age: findings from the English Longitudinal Study of Ageing (https://www.nature.com/articles/s41598-019-39354-4). Scientific Reports. Published online February 28, 2019. doi:10.1038/s41598-019-39354-4.

J.Y.J. Wang, D. H.D. Zhou, J. Li, M. Zhang, J. Deng, M. Tang, C. Gao, J. Li, Y. Lian, M. Chen Leisure activity and risk of cognitive impairment: The Chongqing aging study, Neurology Mar 2006, 66 (6) 911-913; DOI: 10.1212/01.wnl.0000192165.99963.2a (https://doi.org/10.1212/01.wnl.0000192165.99963.2a)

Welche Auswirkungen hat dies im Alltag?

Unser verbales Gedächtnis ist wichtig für viele Alltagsaktivitäten und die Interaktion mit anderen Menschen. Das Sprachgedächtnis hilft uns zum Beispiel, Ansagen auf Flughäfen oder Bahnhöfen richtig zu verarbeiten und für ein paar Minuten zu behalten. Ein verringertes Sprachgedächtnis macht Menschen in vielen Situationen unselbständig bis hilflos. Auch für Gespräche mit anderen Menschen braucht man das sprachliche Gedächtnis. Menschen mit reduziertem Sprachgedächtnis verlieren beim Sprechen eher den Faden oder haben Mühe, den Erzählungen anderer zu folgen.

Warum beeinträchtigt Fernsehen die Kapazität des Sprachgedächtnisses?

Diese Frage lässt sich mit den Daten der englischen Studie nicht beantworten. Die Autoren geben eine Reihe Erklärungsansätzen, die sich in konkrete Tipps für den Alltag von Erwachsenen umsetzen lassen.

1. Fernsehen ist eine passive Beschäftigung und fordert das Gehirn nicht. Die Folge könnte ein Abbau von Gehirnkapazitäten sein.

2. Fernsehen ist Stress für das Gehirn. Auch wenn viele Menschen beim Fernsehen Entspannung suchen, unser Gehirn sieht dies anders: Häufige Gewaltszenen und Nachrichtensendungen mit negativen Informationen sind harte Arbeit für unser Gehirn. Wer täglich viele Stunden fernsieht, setzt sein Gehirn - ohne es zu merken - unter Dauerstress. Das Gehirn reagiert darauf mit einer Schrumpfung des Hippocampus, das ist eine Gehirnregion, die Informationen aus dem Kurzzeitspeicher in das Langzeitgedächtnis überträgt. Konsequenz: kleinerer Hippocampus, schlechteres Gedächtnis.

3. Fernsehen findet oft auf der Couch statt. Der Fernseher bringt nicht nur das Gehirn in einen Passiv-Modus, sondern den ganzen Körper. Auch bei dieser Erklärung spielt der Hippocampus eine Rolle. Es ist gut belegt, dass körperliche Bewegung die Entstehung neuer Nervenzellen fördert und zwar vor allem im Hippocampus. Ob umgekehrt eine sitzende Lebensweise den Hippocampus zum Schrumpfen bringen kann, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass es darauf ankommt, welche Tätigkeiten man während des Sitzens ausübt. Fernsehen zählt zu den Tätigkeiten, die aufgrund der vorliegenden Daten ungünstig sind.

Paul Loprinzi (2019) The effects of sedentary behavior on memory and markers of memory function: a systematic review, The Physician and Sportsmedicine, DOI: 10.1080/00913847.2019.1607603 (https://doi.org/10.1080/00913847.2019.1607603)

4. Fernsehen ist ein Zeiträuber. Wer viel fernsieht, verbringt weniger Zeit mit Aktivitäten, die für das Gehirn produktiver wären. Beispiele dafür sind: Lesen, Gesellschaftsspiele, Theater, Konzerte und Internet. Ja, Sie haben richtig gelesen, Internet! Dies ist das Ergebnis einer weiteren Untersuchung auf der Basis der "English Longitudinal Study of Ageing". Die Daten zeigen, dass regelmässige Internetnutzer ein geringeres Risiko hatten, an Demenz zu erkranken.

Eleonora d'Orsi, Andre Junqueira Xavier, Snorri Bjorn Rafnsson, Andrew Steptoe, Eef Hogervorst & Martin Orrell (2018) Is use of the internet in midlife associated with lower dementia incidence? Results from the English Longitudinal Study of Ageing, Aging & Mental Health, 22:11, 1525-1533, DOI: 10.1080/13607863.2017.1360840 (https://doi.org/10.1080/13607863.2017.1360840)

Tipps: So vermeiden Sie die gefährlichen Effekte des Fernsehens

1. Reduzieren Sie Ihre Fernsehzeit auf max. zwei Stunden pro Tag.
2. Sie lieben Bildschirme? Dann surfen Sie im Internet statt fernzusehen oder machen Videospiele.
3. Überlegen Sie, welche anderen Tages- oder Freizeitaktivitäten Sie tun könnten. Wie wäre es mit Lesen oder Hörbüchern?
4. Wenn Sie länger als zwei Stunden vor dem Fernseher verbringen, achten Sie auf "Ausgleichssport", bei dem Sie sich bewegen. Treppensteigen tut es für den Anfang.

Wenn die Punkte 1 - 4 für Sie nicht in Frage kommen, reduzieren Sie wenigstens den durch Fernsehen erzeugten Stress für Ihr Gehirn: Vermeiden Sie Aufregung und Ärger durch das, was Sie im Fernsehen sehen. Schauen Sie solche Sendungen, die Ihnen wirklich gut tun.

Fernsehen und Internet: Das können Erwachsene von Jugendlichen lernen

Viele Erwachsene machen sich über Jugendliche lustig wegen angeblicher Handysucht. Die vorliegenden Untersuchungen zur Wirkung des Fernsehens lassen die Mediennutzung junger Leute viel positiver aussehen als manchen Erwachsenen lieb ist.

1. Die tägliche Fernsehdauer von jungen Menschen (14 - 29 Jahre) ist seit 2010 rückläufig. 2018 lag sie bei 94 Minuten (im Vergleich zu 333 Minuten der über 60jährigen. Klarer Zeitvorteil für die Jugend, selbst wenn man noch 45 Minuten für Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime Video hinzurechnet.

2.Junge Leute nutzen sehr intensiv das Internet: fast sechs Stunden am Tag. Das ist besser für das Gehirn als Fernsehen.

3. Fast die Hälfte ihrer Internetzeit - zwei bis drei Stunden pro Tag - sind junge Menschen in den sozialen Medien aktiv, sie kommunizieren mit anderen. Unter medizinischen Aspekten ist sozialer Austausch positiver zu bewerten als passives Fernsehen. Noch besser wären natürlich persönliche Kontakte, aber Hauptsache Kommunikation.

4. Jugendliche schauen ständig auf ihre Handys. Auch beim Gehen. Wir sollten auch die Vorteile sehen: Sie bewegen sich beim Medienkonsum statt auf der Couch zu sitzen.

5. Wenn junge Leute fernsehen, nutzen sie häufig parallel noch ein Handy oder Tablet. Psychologisch betrachtet, ist dies eine Anreicherung des passiven Mediums Fernsehen mit aktivierenden Tätigkeiten.

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Zum Autor: Dr. Gundolf Meyer-Hentschel (https://meyer-hentschel.com/meyer-hentschel-institut/) beschäftigt sich als Verhaltenswissenschaftler mit langfristigen Trends, die grundlegende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Er ist Inhaber des gleichnamigen Forschungs- und Beratungsinstituts in Zürich/ Saarbrücken. 1994 hat er den Alterssimulationsanzug (https://ageexplorer.com/erfinder-alterssimulationsanzug-gundolf-meyer-hentschel-1994/) erfunden und damit weltweit eine neue Produktkategorie geschaffen.

¹ Für den Inhalt der Pressemeldung/News ist allein der Verfasser verantwortlich.
https://meyer-hentschel.com/meyer-hentschel-institut/
Meyer-Hentschel Institut
Science Park 2 66123 Saarbrücken

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