TV-Sender spähen Nutzer von Smart-TVs aus
17.10.2013 / ID: 141464
PC, Information & Telekommunikation
Wer seinen Smart-TV mit dem Internet verbunden hat und Online-Angebote wie Mediatheken und Programmvorschau (HbbTV) nutzt, liefert den Sendern Infos, was er wie lange ansieht. Doch selbst wer auf die Dienste gar nicht zugreift, verrät viel über sein Nutzungsverhalten - das konnte die Fachzeitschrift COMPUTER BILD nachweisen (Heft 23/2013, ab Samstag am Kiosk).
Dazu haben die COMPUTER BILD-Experten im Labor den Datenverkehr zwischen Fernsehern und Internet protokolliert. Und so funktioniert die Schnüffelei: Bei jedem Kanalwechsel ruft der Fernseher automatisch eine sogenannte "Startapplikation" ab - ohne dass der Zuschauer irgendeine Taste drückt. "Die Startapplikation verhält sich wie eine normale Internetseite, nur ist sie in der Regel durchsichtig", erklärt HbbTV-Experte Klaus Merkel vom Institut für Rundfunktechnik in München. Beim Verbindungsaufbau wird dann etwa die Kennung des Geräts übertragen. Auch dessen ungefährer Standort lässt sich aus den Daten ablesen.
Hinzu kommt: Viele Sender lassen die Nutzungsdaten durch Google Analytics auswerten. So lässt sich messen, wie viele Besucher etwa eine bestimmte Sendung aus der Mediathek abrufen. Google Analytics kann anhand der IP-Adresse außerdem erkennen, woher die Nutzer kommen und wie häufig sie wiederkehren. Zudem bietet Google mit Suche, Google+ und YouTube Dienste mit persönlichem Nutzerkonto an. Über die IP-Adresse eines Haushalts ist Google somit technisch in der Lage, einen Smart-TV-Nutzer eindeutig zu identifizieren.
Nutzer können sich teils vor der Spionage schützen: Im Menü der meisten Smart-TVs lässt sich HbbTV und damit die Schnüffelei deaktivieren. Dann gibt"s aber auch keine Internet-Extras der Sender mehr. Einige TV-Sender wie ARD und ZDF bieten im HbbTV-Menü an, Cookies abzuschalten - über diese Dateien erkennt beispielsweise Google das entsprechende Gerät wieder. Komfortfunktionen wie angepasste Schriftgröße verschwinden dann aber.
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