Marcus Hofschuster veröffentlicht 175.000ste Weinkritik
03.12.2025 / ID: 436349
Essen & Trinken
wein.plus-Verkostungsleiter Marcus Hofschuster hat im 25. Jahr seiner Arbeit bei wein.plus die 175.000ste Bewertung publiziert. Es gibt weltweit nur wenige Verkoster, die auf eine so gewaltige Erfahrung zurückblicken.
Am 1. Dezember 2025 bewertete er den 2022er Rüdesheim Berg Rottland Riesling trocken des Bischöflichen Weinguts (Rheingau) mit 90 Punkten.
Hofschusters erste Kritik in der wein.plus-Verkostungsdatenbank erschien am 7. Juni 2000. Seit diesem Start setzt Marcus Hofschuster auf die Bewertung mit der 100-Punkte-Skala sowie auf konsequente Blindverkostung unter stets gleichen Bedingungen im Verkostungsraum in Erlangen. "Wir nehmen uns heute aber viel mehr Zeit für die Weine als früher, verkosten sie, wenn nötig, mehrmals und verfügen heute über mehrfach optimierte Rahmenbedingungen - etwa bei der Auswahl der Gläser", beschreibt er die Kontinuität seiner Arbeit.
Weltweit arbeiten nur sehr wenige Verkoster mit dieser strengen Konsequenz: Die Punktevergabe bei Messebesuchen, Verkostungs-Events oder im Weingut lehnt Hofschuster ab, da eine neutrale und sorgfältige Beurteilung unter diesen Umständen für ihn kaum möglich ist. "Die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit der Bewertungen über viele Jahrgänge hinweg ist für mich der entscheidende Anspruch, den ich an unsere Arbeit stelle", betont der Verkostungsleiter.
Die für ihn wichtigste Entwicklung der Weine in den 25 Jahren seiner Arbeit ist "die enorme Qualitätssteigerung in der Breite". "Im Jahr 2000 war etwa ein Drittel der von uns probierten Weine nicht empfehlenswert", berichtet Marcus Hofschuster, "doch nicht mindestens "gute" Weine sind eine Seltenheit geworden." Auffällig ist dabei: Ein zunehmender Teil der europäischen Spitzenweine wird heute biologisch oder biodynamisch erzeugt.
Auch unter den neueren Trends in der Weinwelt fällt dem wein.plus-Verkostungsleiter besonders auf, dass trotz der immer größeren Herausforderungen des Klimawandels viele Weine vor allem in Deutschland "in der Tendenz schlanker, leichter, feiner und kühler" schmecken. Die inzwischen auch dort etablierte Qualitätspyramide trockener Weine von Guts-, Orts- und Lagenwein hat für ihn "nicht dazu geführt, dass der trockene Leichtwein ausstirbt". Für Hofschuster ist das Gegenteil richtig: "Wer in Deutschland der Tradition des trockenen Kabinettweins hinterherweint, hat offenbar noch nicht registriert, dass es wohl noch nie so viele gute trockene Weine mit eher niedrigem Alkoholgehalt gab wie heute - und das in allen Preis- und Qualitätsstufen."
Schon seit dem Beginn seiner Arbeit vor 25 Jahren legt Marcus Hofschuster besonders viel Wert auf die jeweils größtmögliche Differenzierung bewerteter Weine. Er nutzt daher die 100-Punkte-Skala in größerem Umfang als andere Verkoster. "Uns wird oft vorgeworfen, wir würden zu niedrige Punkte vergeben", erklärt Hofschuster, "dabei nutzen wir die Bandbreite des Punktesystems nur viel mehr im ursprünglichen Sinne als heute üblich. Echte Spitzenweine bekommen auch bei uns die hohen Bewertungen, die sie verdienen. Die Punkte-Inflation der vergangenen Jahre hat aber dazu geführt, dass die tatsächlich vorhandenen Qualitätsunterschiede kaum mehr realistisch abgebildet werden." Er setzt seine Maßstäbe anders: Die Traumnote von 100 Punkten hat Hofschuster in den 25 Jahren seiner Arbeit bislang nur an 17 der jetzt 175.000 Weine verliehen.
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