Zum Weltkastrationstag: Warum Ernährung und Nachsorge von Tieren auch nach diesem Routineeingriff entscheidend sind
27.02.2026 / ID: 438359
Familie, Kinder & Zuhause
Die Kastration gehört zu den häufigsten Eingriffen in der tierärztlichen Praxis. Der operative Ablauf ist Routine, die begleitenden Gespräche mit Tierhaltern sind jedoch oft anspruchsvoller.Der Weltkastrationstag diesen Dienstag ist ein guter Anstoß, die langfristige Gesundheit, die Veränderungen im Stoffwechsel und im Ernährungsverhalten des Tieres nach dem Eingriff in den Fokus zu rücken.
Für tierärztliche Fachkräfte bedeutet das, die Kastration als Bestandteil eines lebenslangen Gesundheitsplans zu vermitteln. Sie ist keine isolierte Maßnahme, sondern Teil einer strukturierten Prävention.
Weit mehr als reine Fortpflanzungskontrolle
Viele Halter verbinden die Kastration in erster Linie mit der Verhinderung von Nachwuchs. An diesem Punkt setzt die tierärztliche Beratung an.
Dass laut Deutschem Tierschutzbund rund 90 Prozent der gehaltenen Katzen in Deutschland kastriert sind, zeigt, wie selbstverständlich die Maßnahme für viele Halterinnen und Halter bereits ist. Diese Selbstverständlichkeit macht eine fundierte tierärztliche Beratung für das Tierwohl umso wichtiger. Das gilt nicht nur für das eigene Haustier: Die Kastration von Freigängerkatzen trägt dazu bei, das Leid von Straßenkatzen zu reduzieren, deren Zahl in Deutschland auf mehrere Millionen geschätzt wird. Denn Trächtigkeit und Laktation stellen eine erhebliche Belastung für den Organismus dar.
Die Kastration bei weiblichen Tieren senkt das Risiko für Tumore an den Milchdrüsen (Mammatumoren) und Gebärmutterentzündungen (Pyometra). Bei Katern reduziert sie die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Felinen Immundefizienz Virus (FIV). Damit wird deutlich, dass dieser Eingriff als präventive Gesundheitsmaßnahme verstanden werden sollte.
Stoffwechselveränderungen beginnen in den ersten 48 Stunden
Bereits innerhalb von 48 Stunden nach dem Eingriff sinkt der Energiebedarf von Katzen um etwa 20 Prozent, während der Appetit häufig unverändert bleibt. Hinzu kommt, dass kastrierte Katzen meist weniger umherstreifen und insgesamt weniger aktiv sind. Ohne frühzeitige Beratung entsteht rasch eine positive Energiebilanz. Erste Fettansätze können sich entwickeln, noch bevor die Nachkontrolle stattfindet. Die Anpassung der Futtermenge sollte daher spätestens bei der Entlassung thematisiert werden. Eine frühzeitige Gewichtskontrolle und ggf. Futterumstellung helfen, ein gesundes Körpergewicht zu halten sowie Erkrankungen der unteren Harnwege und Haarballproblemen vorzubeugen.
Eine gezielte Ernährungsplanung zum Zeitpunkt des Eingriffs verlagert den Fokus vom späteren Gegensteuern hin zur vorausschauenden Stoffwechselkontrolle. Empfehlenswert sind Futter mit kontrollierter Energiedichte, hochwertigem Protein zum Erhalt der Muskelmasse und L Carnitin zur Unterstützung des Fettstoffwechsels. Ergänzende Bestandteile zur Förderung der Harnwegsgesundheit und zur Reduktion von Haarballbildung können zusätzlich sinnvoll sein. Speziell dafür wurde z.B. Burgess Neutered Cat entwickelt.
Auch bei Hündinnen bietet eine frühzeitige Beratung klare Vorteile. Eine Kastration vor der ersten Läufigkeit senkt das Risiko für Mammatumoren am stärksten und legt gemeinsam mit früh eingeleiteten ernährungsbezogenen Maßnahmen die Grundlage für stabile Langzeitergebnisse.
Die post-operative Phase aktiv begleiten
Schmerztherapie gehört heute zu den festen Standards in der Praxis und auch nach dem Verlassen des Operationsbereichs erfordert die Erholungsphase strukturierte Begleitung und erhöhte Aufmerksamkeit. So kann selbst leichtes Unwohlsein Appetit und Aktivität beeinflussen. Aus diesem Grund sollte das Fressverhalten in den ersten 12 bis 24 Stunden, besonders bei stressanfälligen Katzen, aufmerksam beobachtet werden. Eine frühzeitige Intervention reduziert das Risiko für Folgeprobleme.
Kaninchen und Meerschweinchen: Die Ernährung im Fokus
Bei Kaninchen sollte die Kastration klar als gesundheitliche Vorsorgemaßnahme kommuniziert werden. Rund 90 Prozent der unkastrierten weiblichen Tiere entwickeln bis zum fünften Lebensjahr ein Uteruskarzinom. Wird diese Zahl klar und verständlich erläutert, verdeutlicht sie die gesundheitliche Dringlichkeit des Eingriffs und beeinflusst die Entscheidung vieler Halter maßgeblich.
Neben der Krankheitsprävention spielt auch das Sozialverhalten eine wichtige Rolle. Kaninchen sind hochsoziale Tiere und sollten nicht allein gehalten werden. Nach der Kastration bleiben männliche Tiere jedoch noch mehrere Wochen fortpflanzungsfähig. Eine tierärztliche Beratung zur vorübergehenden Trennung und zur sicheren Vergesellschaftung ist daher wichtig, um ungeplante Trächtigkeit während der Erholungsphase zu vermeiden.
Bei Meerschweinchen stellt die Narkose erhöhte Anforderungen, weshalb eine sorgfältige Fallauswahl und eine umfassende Aufklärung entscheidend sind.
Da Kaninchen und Meerschweinchen kein längeres Fasten vertragen, muss die Futteraufnahme nach dem Eingriff eng begleitet werden. Denn essen sie zu wenig, steigt das Risiko für eine verminderte Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts (gastrointestinale Hypomotilität) und einen Darmverschluss (Ileus) deutlich. Die freiwillige Nahrungsaufnahme sollte daher früh einsetzen und bei Bedarf zusätzlich unterstützt werden.
Für die Phase der Genesung sind Diäten mit vollständigem Vitamin- und Mineralstoffprofil sowie stabilisiertem Vitamin C sinnvoll. Das gilt insbesondere bei Meerschweinchen, die auf eine kontinuierliche Zufuhr angewiesen sind. Solche Produkte sind sowohl zur freien Aufnahme als auch zur unterstützenden Fütterung per Spritze geeignet, wie beispielsweise Excel Dual Care . Breite Spritzen erleichtern dabei die praktische Umsetzung in der Nachsorge.
Die Tumorprävention bei weiblichen Kaninchen durch Kastration ist gut dokumentiert. Doch sollte hier die strukturierte Nachsorge und der Erhalt der Darmmotilität ebenfalls Teil der begleitenden tierärztlichen Gespräche sein.
Vom Eingriff zum Präventionskonzept
Der Weltkastrationstag ist eine gute Gelegenheit, die eigenen Abläufe in der Praxis zu überprüfen. Tierärztliche Teams sollten darauf achten, dass auch tiermedizinische Fachangestellte sicher und kompetent zur post-operativen Ernährung beraten können.
Wenn diese Elemente fest in Entlassungsgesprächen etabliert sind, verändert sich der Blick auf Kastration: Sie wird nicht mehr nur als einmaliger Eingriff wahrgenommen, vielmehr als Teil eines umfassenden Vorsorgekonzepts. Dabei sollten Ernährung und Nachsorge denselben Stellenwert erhalten wie die Operation selbst.
(Bildquelle: ©Burgess)
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