Pressemitteilung von Initiative ELEKTRO

Zukunftssicher bauen – Leerrohre, Zählerschrank, Sicherheit


29.09.2026 / ID: 446510
Garten, Bauen & Wohnen

Zukunftssicher bauen – Leerrohre, Zählerschrank, SicherheitNach einer Renovierung oder der Fertigstellung eines Neubaus ist die Freude zunächst groß: Der Keller ist frisch verputzt, der Zählerschrank hängt fertig montiert an der Wand, alles läuft wie geplant. Ein paar Jahre später überlegen Eigenheimbesitzer, ob ein E-Auto vor die Tür, eine Solaranlage aufs Dach oder eine Wärmepumpe in den Garten soll – und dann kommt die teure Überraschung: Wer bei der Erstinstallation nicht die nötige Vorbereitung eingeplant hat, steht erneut vor Stemmarbeiten, Dreck und hohen Zusatzkosten. „Damit sich moderne Technik nachträglich ohne größere Umbauten integrieren lässt, sind drei Dinge entscheidend", erklärt Daniela Kaiser, Expertin der Initiative Elektro+. „Bauherren sollten auf ausreichend Leerrohre, einen leistungsfähigen Zählerschrank und passende Schutztechnik achten", so ihre Empfehlung.


Ein Leerrohr kostet wenig, die Nachrüstung ein Vielfaches


Elektroinstallationsrohre, umgangssprachlich Leerrohre, sind meist Kunststoffrohre, die in Wänden, Böden oder im Erdreich verlegt werden. Sie lassen sich später mit neuen Kabeln oder Leitungen bestücken, etwa für die Wallbox in der Garage, die Photovoltaikanlage auf dem Dach oder smarte Technik im ganzen Haus. Wie groß der Unterschied zwischen Vorplanung und Nachrüstung ausfallen kann, zeigt das Beispiel Wallbox: Eine zukunftssichere Vorbereitung inklusive Vervollständigung des Zählerschranks kostet rund 900 Euro. Fehlt die Vorbereitung und muss die Ladeinfrastruktur nachträglich installiert werden, können dafür mehr als 3.500 Euro anfallen. „Wer aus Kostengründen zunächst nur die Mindestausstattung realisiert, sollte keinesfalls bei den Leerrohren sparen. Größere Leerrohrkapazitäten kosten in der Bauphase kaum etwas, sparen aber später aufwendige Bauarbeiten", rät Kaiser. Im Außenbereich gilt dasselbe Prinzip: Erdarbeiten für spätere Beleuchtung oder andere Anschlüsse sind im bewachsenen Garten deutlich aufwendiger als während des Rohbaus. Wer eine Wärmepumpe erst später installieren möchte, kann bereits beim Bau passende Leerrohre vom Zählerschrank zum geplanten Aufstellort sowie für Steuerungs-, Kommunikations- und Sensorleitungen vorsehen. Für eine Photovoltaikanlage lohnt sich zudem ein früh eingeplanter Leitungsweg vom Dach zum Technikraum, inklusive Platzreserve für Wechselrichter- und Speicherinstallationen.


Der Zählerschrank wird zur Kommandozentrale


Vor der Investition in neue Technik lohnt sich ein Blick auf den Status der Elektroinstallation im eigenen Haus. Insbesondere der Zählerschrank muss dem aktuellen Stand der Technik und dem Energiebedarf der Hausbewohner entsprechen. Neben Stromzähler und klassischen Sicherungen sitzen dort zunehmend Fehlerstromschutzschalter, Überspannungsschutz und Steuergeräte für Photovoltaikanlage, Speicher, Wärmepumpe oder das Lademanagement der Wallbox. Reicht der Platz nicht mehr aus, bleibt oft nur der komplette Austausch des Schranks. Elektro+ empfiehlt, rund 20 Prozent der Montagereihen bewusst freizuhalten. Diese Reserve schafft Platz für spätere Erweiterungen, ohne dass Umbauten oder ein zweiter Schrank notwendig werden. Typische Beispiele sind ein Anschluss für die Wärmepumpe, ein Energiemanagement-System oder zusätzliche Ladetechnik für E-Mobilität.


Sicherheit fachgerecht mitdenken


Ein Teil dieser Reserve ist für Schutztechnik gedacht. „Wallbox, Photovoltaikanlage und Wärmepumpe bringen zusätzliche elektrische Anforderungen mit. Deshalb sollte die notwendige Schutz- und Steuerungstechnik bereits bei der Planung berücksichtigt werden", erklärt Daniela Kaiser. Zur Schutztechnik gehört unter anderem Fehlerstrom- und Überspannungsschutz. FI-Schalter erkennen Fehlerströme und schalten den betroffenen Stromkreis ab. So schützen sie Menschen vor gefährlichen Stromschlägen. Überspannungsschutz bewahrt empfindliche Elektronik vor Schäden durch Überspannungen. Welche Ausführung erforderlich ist, hängt unter anderem vom jeweiligen Modell und den Herstellervorgaben ab, und wird vom Elektrofachbetrieb festgelegt.


Einmal richtig geplant, für Jahrzehnte ausreichend


Wie deutlich sich frühzeitige Vorbereitung auszahlt, zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI im Auftrag des ZVEI: Integriert ein Einfamilienhaus Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastruktur von Beginn an vollständig, liegen die Gesamtkosten über 20 Jahre bei rund 69.000 Euro. Wird die Technik erst nach zehn Jahren ergänzt, aber von Anfang an entsprechend vorbereitet, steigen sie auf rund 97.000 Euro. Ohne Vorbereitung sind es sogar rund 111.000 Euro.1 Leerrohre und ein ausreichend großer Zählerschrank mit passender Schutztechnik schaffen die Voraussetzungen für spätere Erweiterungen. Bei älteren Häusern lohnt sich vorab ein E-CHECK durch einen Elektrofachbetrieb: Er zeigt, wo die vorhandene Installation an ihre Grenzen stößt, und liefert die Grundlage für die weitere Planung.


Unter www.elektro-plus.com finden Eigenheimbesitzer und Modernisierer weitere Informationen und einen passenden Elektrofachbetrieb in ihrer Nähe. Mit Teil sieben endet die Ratgeber-Serie „Perfekt verkabelt". Teile eins bis sechs sind auf der Website der Initiative Elektro+ nachzulesen.


1 https://www.zvei.org/presse-medien/publikationen/gebaeudewende-elektrifizierung-und-digitalisierung-wirken

(Bildquelle: @Fränkische)

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