Pressemitteilung von Gerlinde Riembauer

Klinische Entscheidungsfindung im Zeitalter evidenzbasierter Medizin


09.04.2015 / ID: 192278
Medizin, Gesundheit & Wellness

Den Anfang machte Dr. Moritz Kebschull aus Bonn mit der Frage: Bis wohin greift die Parodontitistherapie? Wo die anti-infektiöse Therapie bei Molaren mit Furkationsbefall an ihre Grenzen stoße, so Kebschull, biete resektive Parodontalchirurgie in Kombination mit gewissenhafter Nachsorge eine Alternative zur Implantation. Prof. Dr. Ralf Rössler (Ludwigshafen) ging der Frage nach, ob man sich diesen Zahnerhalt im Grenzfall leisten könne und stellte in einer Kosten-Nutzen-Analyse fest, dass sich auch der Erhalt parodontal kompromittierter Zähne lohne.

Im zweiten Themenkomplex sprach Prof. Stefan Renvert (Kristianstad) für das Implantat. Auch im Falle einer Periimplantitis sei durch Reinigung und Infektionskontrolle eine Reosseointegration möglich. Dr. Markus Schlee (Forchheim) argumentierte, dass eine nachhaltige Entfernung des Biofilmes aktuell oft nicht gelinge. Er stellte ein innovatives Reinigungsverfahren vor, bei dem Ionen die Implantatoberfläche erreichen und sich bildender Wasserstoff den Biofilm entfernt.

Dass parodontal vorgeschädigte Zähne auch langfristig als prothetische Stützpfeiler dienen können, zeigte Dr. Alberto Fonzar (Udine). Unter der Voraussetzung einer parodontalen Begleittherapie könne eine Implantation aufgeschoben werden. Dr. Ackermann (Filderstadt) erklärte, dass die Implantattherapie nicht immer erst nach dem Misserfolg anderer Therapiemaßnahmen in Betracht gezogen werden sollte. Zahnerhalt mache nur dann Sinn, wenn konventionelle parodontologische und erhaltende Therapien Erfolgssicherheit böten.

Im letzten Vortrags-Doppel stand der ästhetisch anspruchsvolle Patient im Mittelpunkt. Hier sei, so Dr. Rino Burkhardt aus Zürich, die Hemmschwelle zur Extraktion oft zu tief. Der Behandler müsse nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ethische Entscheidung treffen. Dr. Gerhard Iglhaut (Memmingen) zeigte die Grenzen des Zahnerhalts auf und stellte in spannenden Patientenfällen prothetische und implantologische Alternativen vor.

Die regen Diskussionen wurden auch während der Pausen, in denen man sich an Ständen über Produktneuentwicklungen informieren konnte, sowie am Freitagabend bei ausgezeichnetem Essen und lockerer Atmosphäre in der Destino Tapas Bar Frankfurt fortgeführt. Am Ende der Veranstaltung war klar, dass inhaltliche Überschneidungen in den Fachbereichen Parodontologie und Implantologie einen fortgesetzten Austausch fordern. Davon würden, so Tagungspräsident Dr. Otto Zuhr, Behandler und Patienten gleichermaßen profitieren.

Bildquelle: DG PARO
Parodontologie Parodontitis Implantat Implantologie DG PARO DGI Tagung Dental

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