Nuklearmedizinische Untersuchungen bei Kindern
12.08.2015 / ID: 202504
Medizin, Gesundheit & Wellness
Die Strahlenbelastung, der Kinder bei nuklearmedizinischen Untersuchungen ausgesetzt sind, wird weiter verringert. Dafür sorgen neue internationale Richtlinien, die jetzt die Europäische Gesellschaft für Nuklaermedizin/ European Association of Nuclear Medicine (EANM) gemeinsam mit nordamerikanischen Fachgesellschaften verabschiedet hat.
Bei vielen pädiatrischen Krankheiten sind nuklearmedizinische Techniken für die Diagnose und Nachfolgeuntersuchungen unentbehrlich, denn nur sie können genaue und zuverlässige Informationen über die Art der Erkrankung, ihr Stadium und die Wirkung von Behandlungsmaßnahmen liefern. Seit einigen Jahren sorgen sich Eltern jedoch zunehmend wegen möglicher schädlicher Nebenwirkungen durch Strahlung, abgegeben von radioaktiv markierten Tracer-Substanzen, die bei bildgebenden Verfahren injiziert werden. Strahlungsrisiken wer-den für Kinder höher als für Erwachsene eingeschätzt. Es muss aber betont werden, dass nuklearmedizinische Studien bislang keine durch die niedrigen Strahlungsdosen verursach-ten Risiken für Patienten dokumentiert haben.
"Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, bei nuklearmedizinischen Untersuchungen die kleinst-mögliche Menge an Radioaktivität unter Beibehaltung der gleichen diagnostischen Wirksam-keit einzusetzen. Um es Ärzten zu ermöglichen, radiopharmazeutische Dosen einzusetzen, die diese Bedingungen erfüllen, haben Experten für pädiatrische Nuklearmedizin aus Europa und den USA ihre Kräfte gebündelt und Richtlinien entwickelt, die Empfehlungen für die Ver-abreichung von Radiopharmazeutika in der Pädiatrie geben", sagt Prof. Michael Lassmann, der gemeinsam mit Dr. Mark Konijnenberg, Dr. Zvi Bar-Sever und Prof. Thomas Pfluger die EANM bei der Ausarbeitung vertrat.
Beim Vergleich der europäischen mit den nordamerikanischen Richtlinien zeigte sich, dass die meisten Empfehlungen nahezu gleich lauteten. Für einige Verfahren gab es bei der emp-fohlenen Aktivität und effektiven Dosis aber beträchtliche Unterschiede, was den Wunsch, eine stärkere Übereinstimmung zu erzielen, entstehen ließ. Während mehrerer Treffen, die 2012 und 2013 im Zuge von EANM-Kongressen stattfanden, untersuchte eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der EANM und der Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging (SNMMI) die Möglichkeit, die Richtlinien beider Gesellschaften zu harmonisieren. Ergebnis dieser Treffen war die Erstellung internationaler Richtlinien, auch betitelt als "Paediatric Ra-diopharmaceutical Administration: Harmonization Guidelines", die 2014 publiziert wurden. Diese Richtlinien basieren auf dem Input vieler Experten beiderseits des Atlantiks. Zwölf Radiopharmazeutika sind bislang aufgenommen und weitere werden demnächst folgen. Eine modifizierte Version der EANM-Dosierungskarte mit den vorgeschlagenen Änderungen steht im Internet zur Verfügung: http://www.eanm.org/publications/dosage_calculator.php?navId=285
Die harmonisierten Richtlinien wollen einen Standard setzen und Empfehlungen für die beste Praxis geben. Eine adäquate Bemessung der verabreichten radiopharmazeutischen Aktivität sollte sich an der Patientenpopulation, der verfügbaren Ausstattung, besonderen klinischen Erfordernissen und dem ärztlichen Urteil orientieren. Demzufolge können Abweichungen von den verabreichten Radioaktivitätsmengen, wie sie in diesen Richtlinien aufgeführt sind, dann als angemessen gelten, wenn sie klinisch angezeigt sind. Der jeweilige praktizierende Arzt kann eine niedrigere Dosis einsetzen, wenn seine Ausstattung oder Software das erlauben. Unter besonderen Umständen können bei bestimmten Patienten nach Maßgabe des Nuklearmediziners auch höhere radioaktive Dosen notwendig sein. "Dieser neue Ansatz wird sicher zu einer umfassenden Optimierung beim Einsatz radio-pharmazeutischer Aktivitäten in der Kinderheilkunde führen. Bedingt durch die Anwendung der Richtlinien werden viele Patienten in der pädiatrischen Nuklearmedizin geringere radio-pharmazeutische Dosen verabreicht bekommen als zuvor. Wir sind ebenso zuversichtlich, dass diese harmonisierten Dosierungsempfehlungen bald zu einer stärker vereinheitlichten Praxis in der pädiatrischen Nuklearmedizin Europas und Nordamerikas führen wird", sagt Dr. Mark Koijnenberg.
Weitere Informationen der EANM finden Sie auf
https://www.facebook.com/officialEANM.
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