Moderne Hilfe bei Tinnitus
28.10.2015 / ID: 208945
Medizin, Gesundheit & Wellness
Es klingelt in den Ohren, es rauscht, summt, brummt oder pfeift- jeder Vierte von uns kennt die lästigen Ohrgeräusche aus eigener Erfahrung. In Deutschland leiden über elf Millionen Menschen unter Tinnitus. Bei Menschen mit Hörverlust klagen sogar bis zu 80 Prozent der Betroffenen über einen häufig chronischen Tinnitus. Unbehandelt kann dieser die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Wissenschaftler des Forschungsteams des Universitätsklinikums Antwerpen (UZA) bestätigen jetzt: Bei einseitiger Taubheit kann ein Cochleaimplantat (CI) dauerhafte Linderung verschaffen.
Die Ursachen
Tinnitus ist ein Symptom für unterschiedliche Störungen im Ohr, ausgelöst etwa durch eine Mittelohrentzündung oder einen Hörsturz infolge eines Knalltraumas. Dabei kann es zu einer irreparablen Schädigung der inneren und äußeren Haarzellen in der Hörschnecke kommen. "Tinnitus ist eine Fehlverarbeitung von akustischen Signalen im Gehirn. Das Rauschen der Nervenzellen wird bei einem gesunden Ohr herausgefiltert. Wenn das nicht mehr richtig funktioniert, treten die Geräusche stärker ins Bewusstsein und es kommt zu den lästigen Ohrgeräuschen", erklärt Prof. Dr. Paul van de Heyning, Leiter der HNO-Abteilung und Co-Direktor der Abteilung für Neuromodulation am Universitätsklinikum Antwerpen. "Stress und psychische Belastungen können das Ohrensausen noch zusätzlich verstärken."
Die Wahrnehmung relativieren
Es gibt noch keine Medikamente, die einen Tinnitus vollständig und langfristig verschwinden lassen. Bei einer schwächeren Form oder beim ersten Auftreten des Tinnitus werden, wenn notwendig, erst einmal durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben. Bei chronischem Tinnitus tragen in einigen Fällen sogenannte Psychopharmaka zur Verbesserung bei, die über ihre Wirkung auf das zentrale Nervensystem, die von dort ausgehende Tinnitus-Verstärkung reduzieren können.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) zielt darauf ab, die Wahrnehmung des Tinnitus zu relativieren und besteht aus verschiedenen Bausteinen. Das sogenannte Counseling, eine individuelle psychologische Betreuung, hilft dabei, stressverstärkende Gewohnheiten zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Eine weitere Option sind apparative Verfahren: Rauschgeneratoren produzieren im Ohr über mehrere Stunden am Tag ein leises breitbandiges Rauschen. Das Gehirn soll auf diese Weise den Tinnitus als unwichtig interpretieren, sich an ihn gewöhnen und aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden lassen. Die Aufmerksamkeitsumlenkung kann zusätzlich durch optische Reize, Musik hören, muszieren oder eine Hypnosetherapie erfolgen.
Cochleaimplantat-Versorgung bei einseitigem Hörverlust und Tinnitus
Entsteht Tinnitus bei Betroffenen von einseitigem Hörverlust, ist die operative Versorgung mit einem Cochleaimplantat vielversprechend. Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Antwerpen unter der Leitung von Prof. Dr. Paul van de Heyning präsentierte im letzten Jahr die Ergebnisse mehrerer Langzeitstudien. Diese belegen die positive Wirkung von Cochleaimplantaten bei der Behandlung von Patienten mit einseitiger Taubheit (Single-Sided-Deafness, SSD), nicht nur in Bezug auf das Sprachverständnis, sondern auch bei der Behandlung von Tinnitus.
Alle Studienteilnehmer bestätigten eine anhaltende Reduktion der Tinnitus-Lautstärke von stark zu schwach. In manchen Fällen war der Rückgang sogar noch stärker. "Die Lautstärkenregulierung bei aktiviertem CI ist stabil und bietet daher eine dauerhafte Linderung. Damit eröffnet sich eine völlig neue Indikation für die Behandlung mit Cochleaimplantaten", so Patrick D"Haese. In der Studie wurden Hörimplantat-Systeme der Firma MED-EL eingesetzt. 2013 war MED-EL der erste Anbieter, der für die Vermarktung von Cochleaimplantaten für einseitigen Hörverlust bei Kindern und Erwachsenen die CE-Kennzeichnung erhielt.
Bildquelle: MED-EL
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MED-EL Medical Electronics
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