Zahnverlust, die Geißel des Homo sapiens
23.03.2016 / ID: 221855
Medizin, Gesundheit & Wellness
Nur wenigen Erwachsenen ist das Glück beschieden, ein ganzes Leben lang von einem vollständigen Gebiss zu profitieren. Karies und Parodontitis verrichten heimtückisch ihr zerstörerisches Werk. Ihre Opfer sind unsere wertvollen Zähne. Nur zweimal im Leben gesteht uns die Natur einen Satz Zähne zu. Im Kleinkindalter sprießen je Kiefer zehn Milchzähne. Nach und nach werden sie von den zweiten, bleibenden Zähnen ersetzt. Deren Anzahl beträgt einschließlich der Weisheitszähne in der Regel zweiunddreißig. Tritt trotz gewissenhafter Vorsorge beim Zahnarzt und sorgfältiger häuslicher Pflege Zahnverlust ein, bleibt nur noch der Weg in die Klinik, wo die Lücken mit Brücken oder Prothesen geschlossen werden. Es gibt jedoch Lebewesen, bei denen Zähne mehrmals nachwachsen. Elefantenzähne werden bis zu acht Mal gebildet, doch Haie sind entschieden besser dran. Deren genetische Ausstattung lässt es zu, dass alle verlorenen Zähne immer wieder nachwachsen.
Seit Millionen von Jahren erprobt
Man vermutet, dass bereits vor 450 Millionen Jahren zahnbildende Zellen in Haien angelegt waren und diese im Laufe der Entwicklungsgeschichte an Wirbeltiere weitergegeben wurden. Dieser Evolutionsvorteil ist für die Forschung von großem Interesse. "In der Tat fanden Wissenschaftler der Universität Sheffield bei Haien Gene, die für das Reparaturwunder verantwortlich sein sollen", weiß Dr. med. dent. M.Sc. M.Sc. Thomas Jung der Dr. Jung Zahnklinik (http://www.zahnklinik-jung.de/) in Pfungstadt in Frankfurt. Das Beste daran ist die Erkenntnis, dass bei Menschen ähnliche Zellen an der Bildung von Milchzähnen und bleibenden Zähnen beteiligt sind. Bedauerlicherweise haben diese ihre Fähigkeit so weit verloren, dass menschliche Kiefer nur zweimal mit einem vollständigen Gebiss versorgt werden. Gelänge es, das genetische Programm der betreffenden Stammzellen bei Menschen wieder zu aktivieren, wäre dies eine echte Sensation. "Der gesundheitliche und wirtschaftliche Gewinn würde die kühnsten Erwartungen übertreffen", stellt er in Aussicht.
Die Zukunft rückt in greifbare Nähe
Geht man davon aus, dass ein mit Nerv und Blutgefäß versorgter Zahn, also ein lebender Zahn, sich natürlicher an Zahnfleisch und Nachbarzähne anpasst als künstlicher Zahnersatz, sollte die Zucht neuer Zähne aus Stammzellen die Technik der Zukunft sein. Im Tierversuch haben britische Forscher nachgewiesen, dass diese Methode tatsächlich funktionieren kann. Am King´s College in London gelang es Mitarbeitern des zahnmedizinischen Instituts entsprechend programmierte embryonale Stammzellen in einen Kiefer einzupflanzen. Nach etwa zwei Monaten war die beginnende Zahnentwicklung erkennbar. Zahnschmelz und Dentin bildeten sich aus. Angestrebtes Ziel ist sogar das Wachstum so zu lenken, dass Schneide- und Backenzähne in ihrer natürlichen Form entstehen. Diese umwerfende Entdeckung wurde mit 750.000 Euro prämiert. "Für Patient und Zahnarzt brächte der Einsatz dieser Technologie in Praxis und Klinik unschätzbare Vorteile", erklärt Dr. med. dent. Thomas Jung, Leiter der Dr. Jung Zahnklinik (http://www.zahnklinik-jung.de/). Voraussichtlich würden die Kosten für das Gesundheitssystem nicht höher ausfallen als bei heute üblichem, konventionellem Zahnersatz.
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