Wer immer funktioniert, muss nicht noch besser werden
04.11.2026 / ID: 448114
Medizin, Gesundheit & Wellness
Hamburg, 4. November 2026. Für andere da sein, Erwartungen erfüllen und das eigene Leben zuverlässig organisieren: Nach außen kann vieles gelingen, während die eigenen Wünsche kaum vorkommen. Warum fällt es Menschen schwer, daran etwas zu ändern, obwohl sie längst wissen, was sie anders machen möchten? Mit ihrem Buch „Hol dir deinen Lebensberechtigungsschein!“ nimmt Dr. Marlies Koel diesen Widerspruch zum Ausgangspunkt. Sie stellt die Vorstellung infrage, persönliche Veränderung müsse damit beginnen, das bisherige Verhalten als falsch zu bewerten.Koel begleitet seit über 30 Jahren Menschen an biografischen Wendepunkten. Aus ihrer Sicht lohnt es sich, genauer zu prüfen, welche Aufgabe ein vertrautes Muster einmal erfüllt hat. Anpassung kann Zugehörigkeit gesichert haben. Verlässlichkeit kann mit Anerkennung verbunden gewesen sein. Wer heute darunter leidet, ständig Erwartungen erfüllen zu müssen, müsse deshalb nicht jede Fähigkeit aufgeben, die daraus entstanden ist.
„Was sich verändert, ist deine Wahl, nicht dein Repertoire“, schreibt Koel. Ihr Buch richtet den Blick darauf, das bisherige Verhalten zu verstehen und weitere Möglichkeiten hinzuzugewinnen. Es geht nicht darum, aus einem hilfsbereiten Menschen einen grundsätzlich anderen zu machen. Entscheidend ist, ob er noch wählen kann, wann er für andere da ist und wann die eigenen Wünsche Vorrang haben.
Ein Buch gegen die Vorstellung, erst anders werden zu müssen
„Hol dir deinen Lebensberechtigungsschein!“ beschäftigt sich mit dem Gefühl, sich einen Platz im Leben erst verdienen zu müssen. Koel untersucht, wie sich dieser Anspruch in alltäglichen Entscheidungen zeigen kann: in der Bereitschaft, sofort einzuspringen, in der Angst, jemanden zu enttäuschen, oder im Bedürfnis, den eigenen Wert durch die nächste Leistung zu beweisen.
Der Titel bezeichnet die Erlaubnis, die Koel zufolge nicht dauerhaft von außen kommen kann. Lob, beruflicher Erfolg oder die Zustimmung nahestehender Menschen ändern ein verfestigtes Selbsturteil nicht automatisch. Wer Anerkennung sofort relativiert, kann auch nach einer gelungenen Leistung an der Überzeugung festhalten, nicht gut genug zu sein.
Das Buch verbindet diese Fragen mit Reflexionen und körperbezogenen Übungen. Es fordert die Leserinnen und Leser nicht dazu auf, ihre Vergangenheit auszulöschen. Sie sollen nachvollziehen können, was sie bisher getragen hat und was heute nicht mehr ihre einzige Antwort auf eine Situation sein muss.
Warum Verstehen allein noch kein anderes Handeln bedeutet
Eine Erklärung für das eigene Verhalten zu finden, ist für Koel nicht dasselbe wie eine neue Erfahrung im Alltag. Wer weiß, weshalb ein Nein schwerfällt, kann trotzdem wieder zusagen. Eine selbst gewählte Grenze kann sich zunächst ungewohnt anfühlen, obwohl die Entscheidung gut begründet ist.
Mit der von ihr entwickelten Y-Methode beschreibt Koel im Buch einen körperbezogenen Zugang zu dieser Frage. Das Y steht für eine Verzweigung: einen vertrauten Weg und eine weitere Möglichkeit. Die Wege werden mit Seilen auf dem Boden dargestellt und bewusst abgeschritten. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit auf Gefühle, körperliche Empfindungen und die Bedeutung der jeweiligen Entscheidung.
Koel stellt den bisherigen Weg dabei nicht als Irrtum dar. Er bleibt Teil der eigenen Geschichte. Ihr Ansatz soll dazu anregen, neue Reaktionen zu erproben, ohne aus dem Wiederauftreten einer alten Gewohnheit sofort ein persönliches Scheitern abzuleiten. Veränderung wird als wiederholter Lernprozess beschrieben, nicht als einmaliger Entschluss, nach dem alles anders sein muss.
Wenn Selbstfürsorge denselben Leistungsdruck fortsetzt
Die Fragen des Buches betreffen für Koel auch den Umgang mit Selbstoptimierung. Wer Ruhe erst erlaubt, wenn alles erledigt ist, knüpft Erholung weiterhin an Leistung. Wer sich vorwirft, nicht ausreichend auf sich geachtet zu haben, kann aus einer hilfreichen Anregung die nächste Pflicht machen.
Koel unterscheidet deshalb zwischen dem Wunsch, etwas zu verändern, und der Forderung, sich erst verbessern zu müssen, bevor Zufriedenheit erlaubt ist. Eine neue Gewohnheit könne hilfreich sein. Sie müsse aber nicht zum weiteren Maßstab werden, an dem der eigene Wert gemessen wird.
„Die Unvollkommenheit ist dabei nicht das Gegenteil von Entwicklung, sondern ihre Voraussetzung“, schreibt Koel. Damit wendet sie sich nicht gegen persönliche Entwicklung. Sie stellt die Frage, ob diese aus Interesse am eigenen Leben entsteht oder aus einem fortgesetzten Urteil gegen sich selbst.
Ansprechpartnerin für Redaktionen
Dr. Marlies Koel steht für Interviews, Gastbeiträge und Hintergrundgespräche zur Verfügung. Sie bietet Einordnungen dazu an, warum vertraute Verhaltensmuster trotz guter Vorsätze bestehen bleiben und wie Menschen neue Handlungsmöglichkeiten erproben können. Weitere Themen sind Hilfsbereitschaft und ständige Zuständigkeit, Selbstzweifel trotz Anerkennung sowie Selbstfürsorge unter Leistungsdruck. Beiträge werden mit der jeweiligen Redaktion in Thema und Format abgestimmt.
Über Dr. Marlies Koel
Dr. Marlies Koel ist promovierte Biologin, Heilpraktikerin, Mentorin und Expertin für biografische Wendepunkte. Seit über 30 Jahren begleitet sie Menschen in persönlichen Veränderungsprozessen. In „Hol dir deinen Lebensberechtigungsschein!“ führt sie ihre Arbeit zu erlernten Verhaltensmustern und selbstbestimmten Entscheidungen zusammen.
Buchdaten
Dr. Marlies Koel Hol dir deinen Lebensberechtigungsschein! Alte Muster entschlüsseln und ganz du selbst sein – für deine Freiheit.
Gallip Verlag & Media, 2026
ISBN: 978-3-9828243-7-6
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