Einen Monat nach der Reform: Wie Digitalisierung und KI die Sanktionsdebatte versachlichen können
27.07.2026 / ID: 444378
Politik, Recht & Gesellschaft
Die seit dem 1. Juli 2026 geltende Reform der Grundsicherung hat die Debatte über "Fordern und Fördern" erneut entfacht. Dr. Marc Wagener, Geschäftsführer der Outplacement Beratung Wagener & Wagener, argumentiert in einem aktuellen Fachbeitrag: Das eigentliche Problem liegt nicht in der Frage nach mehr oder weniger Sanktionen – sondern in einem System, das über Jahrzehnte gewachsen ist und wie ein Vorschlaghammer wirkt: schlecht dosierbar und selten präzise.Fordern am falschen Hebel
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Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: 85,5 Prozent aller Sanktionen betreffen versäumte Termine – ein Mechanismus, der administrativ leicht zu prüfen ist, aber die Falschen trifft. Während er die alleinerziehende Mutter mit kurzfristig erkranktem Kind sanktioniert, ist er für taktisch agierende Leistungsempfänger leicht zu umgehen. Gleichzeitig werden den Jobcentern laut IAB nur noch 40 Prozent aller offenen Stellen gemeldet – die Arbeitswilligkeit lässt sich also nur bei einem Bruchteil des Marktes überhaupt prüfen.
Digitalisierung ermöglicht Individualisierung
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"Die meisten Digitalisierungsansätze zielen auf Effizienz ab – digitale Anträge, Video-Beratung, Apps", so Wagener. "Der eigentliche Hebel liegt jedoch in der Individualisierung: KI-gestützte Systeme können auf persönliche Hürden jedes Einzelnen eingehen und erstmals den tatsächlichen Fortschritt messen – nicht nur Anwesenheit."
Konkret skizziert Wagener drei Ansätze:
- Hybride Wissensvermittlung: KI-gestütztes Lernen mit menschlicher Betreuung dort, wo sie Mehrwert stiftet
- Fortschrittsmessung statt Anwesenheitskontrolle: Verzahnung mit Jobplattformen ermöglicht Erfolgsmessung anhand realer Bewerbungsaktivitäten
- Neue Kompetenzen: Schulung für eine KI-gesättigte Bewerbungswelt, in der sprachlich perfekte Anschreiben zur Massenware geworden sind
Sachgerechtes Fordern, maßgeschneidertes Fördern
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"Digitalisierung und KI ermöglichen es, die oft ideologisch geführte Diskussion auf eine sachlichere Ebene zu heben", fasst Wagener zusammen. "Der Staat erhält Instrumente für ein individuelles Fordern, das sich an echten Fortschritten orientiert. Der Arbeitsuchende erhält eine Förderung, die den Namen verdient."
Wie KI-gestützte Systeme Anwesenheitskontrolle durch echte Fortschrittsmessung ersetzen können, lesen Sie im vollständigen Beitrag:
https://wagener-wagener.com/sanktionsdebatte-individualisierung/
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