Schreiner erfindet sich neu
30.04.2026 / ID: 441001
Unternehmen, Wirtschaft & Finanzen
Kunreuth In Reiseflughöhe ist die Luft zu dünn zum Atmen, deswegen wird sie Flugzeugkabinen künstlich unter Druck gesetzt. Kommt es im Flugzeug zu einem Druckabfall, werden automatisch Sauerstoffmasken herabgelassen. Was man dann tun muss, ist bekannt: Zuerst selbst die Maske aufsetzen und erst danach anderen helfen. Die Erklärung ist einfach: Innerhalb von fünfzehn bis dreißig Sekunden verliert man sonst das Bewusstsein und kann überhaupt nicht mehr helfen.Auf sich selbst achten
In den Flugzeugkabinen dieser Welt wird in solchen Momenten eine Lebensweisheit gelehrt: Hilf dir selbst, dann kannst du auch anderen helfen. Jenseits der Flugzeugkabine ist es damit jedoch nicht mehr so einfach.
Zu sehr hängt dieser Vorgehensweise noch der Verruf des egoistischen Handelns an. Also kümmern sich die meisten Menschen viel zu spät um sich selbst, obwohl eine Sauerstoffmaske schon lange über ihrem Kopf baumelt. Erst, wenn es gerade noch einmal gut für sie ausgeht, erkennen manche, auf sich selbst zu achten.
Das ist in etwa die Geschichte des Schreinermeisters Christian Matern aus Weingarts. Im Oktober 2018 wird Matern mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Forchheimer Krankenhaus eingeliefert. Dort stellt man fest, dass er sich in einem schweren Burnout befindet. Die Symptome ähneln sich auf den ersten Blick: Chronischer Stress führt zu emotionaler Erschöpfung und alles zusammen zu Herzbeschwerden, die erst beim genaueren Hinsehen von einem Herzinfarkt unterschieden werden können.
Zwei Jahre braucht Matern, um sich davon zu erholen. Danach ist einiges in seinem Leben anders.
Großvater war Möbelrestaurator
Die Schreinerei wurde Matern in die Wiege gelegt. Sein Großvater war Möbelrestaurator. Das möchte der Enkelsohn auch werden, also macht er die dafür nötige Lehre zum Schreiner. Danach müsste er den Meister machen, um als Restaurator arbeiten zu können. Er beendet jedoch die Lehre mit dem Gedanken "nie mehr Schule" und beschließt, mit dem Leben als Geselle sehr zufrieden zu sein.
Anders sehen dies seine Freundin und sein Bruder: Sie melden Matern ohne dessen Wissen zur Meisterprüfung an. Er stellt sich der Herausforderung, macht den Abschluss und findet zwischenzeitlich heraus, dass er nicht mehr Restaurator werden möchte. "Dieses Kleinteilige ist doch nicht meins." Also arbeitet er weiter in seiner bisherigen Firma, bis ihn sein Körper aus dem Verkehr zieht.
Den Schwerpunkt der Zeit danach fasst Matern mit dem Satz zusammen: "Und dann fingen die Fragen an." Die Grundfrage dabei: Was tust du eigentlich für dich selbst in diesem hektischen Alltag? Um Antworten darauf zu finden, beginnt für den Schreinermeister nun doch wieder die Schule - wenn man so will. Denn Matern ist entschlossen, das zu lernen, was er braucht, um heil durchs Leben zu kommen.
Als Christian Matern nach zwei Jahren als gesund erachtet wird, macht er sich selbstständig. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass ein solcher Schritt vor allem Stress bedeutet. Für Matern ist es jedoch die logische Konsequenz aus dem, was er über sich gelernt hat.
Inneneinrichtung neues Thema
Also etabliert er Morgen- und Abendrituale, die ihm am Tag helfen, und arbeitet daran, seine Arbeit so zu gestalten, wie es ihm entspricht. Der Schreinermeister will Möbel nicht nur als Mittel zum Zweck bauen. Sie sollen Begleiter durchs Leben sein und zu ihren Besitzern passen. Mit ihrer Hilfe möchte Matern jeden Raum so gestalten, dass die Menschen darin wiederfinden, sich wohlfühlen und dadurch zur Ruhe kommen.
Dafür setzt sich Matern auch mit Themen der Inneneinrichtung auseinander, mit der Wirkung von Farben und der Beleuchtung. Matern hat von seiner Sauerstoffmaske profitiert und kann nun anderen helfen.
Das Konzept geht rasch auf. Matern hat keine Probleme, Kunden zu finden. Er möchte jedoch seine Philosophie in den Kundengesprächen präzise vermitteln können. Also beschließt er, eine Redner- beziehungsweise Speaker-Ausbildung zu machen. Dort hat er unter anderem auch Rhetoriktraining. Und weil es gut klappt, wird er gefragt, ob er sich an einem Speaker-Wettbewerb beteiligen möchte, dem Internationalen Speaker Slam Dresden 2020.
Hier müssen Teilnehmer in wenigen Minuten eine inspirierende Botschaft überzeugend präsentieren. Matern spricht über die Bedeutung des Wohnraums für Menschen, darüber, dass "Möbel nicht den Raum beherrschen sollen, sondern ihm dienen". Seine Rede wird als ein Highlight des Tages wahrgenommen. Christian Matern hat inzwischen Anfragen für Reden und steht in Verhandlungen für eine Dozentenstelle.
Text von Von Liliana Wopkes
(Bildquelle: Julian Curbach)
Firmenkontakt:
Möbelmacher Matern
Weingarts 363
91358 Kunreuth
Deutschland
09199-9293700
https://www.moebelmacher-matern.de/
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Kunreuth
Weingarts 363
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