Herstellerunabhängigkeit und offene Systeme: Ein Plädoyer für langfristige Investitionen
02.07.2026 / ID: 443412
Unternehmen, Wirtschaft & Finanzen
Wer sich seit über drei Jahrzehnten mit Landschaftsfotografie beschäftigt, hat einiges an Ausrüstung kommen und gehen sehen. Kameras werden ersetzt, Objektive aufgerüstet, Sensoren immer leistungsfähiger. Eine Sache aber begleitet mich seit Jahren mit wachsender Skepsis: die zunehmende Tendenz vieler Hersteller, geschlossene Systeme zu bauen, die Fotografinnen und Fotografen langfristig in eine einzige Produktwelt zwingen.Das betrifft besonders den Bereich der Filtersysteme. Wer sich für eine Halterung entscheidet, entscheidet sich meist auch für deren Filterformat, deren Zubehör, deren Update-Zyklen. Ein Wechsel des Herstellers bedeutet in der Regel: alles neu kaufen. Diese Bindung mag aus Unternehmenssicht nachvollziehbar sein. Aus der Perspektive der Anwenderin oder des Anwenders ist sie ein Problem.
Was Herstellerunabhängigkeit eigentlich bedeutet
Herstellerunabhängigkeit heißt nicht, dass man auf Qualität oder durchdachte Konstruktion verzichten muss. Es bedeutet vielmehr, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Produkt nicht automatisch zur Festlegung auf ein geschlossenes Ökosystem wird. Offene Standards, etwa bei Filterdurchmessern oder Anschlussgewinden, erlauben es, Komponenten verschiedener Hersteller zu kombinieren. Wer heute einen Rundfilter eines Anbieters nutzt, sollte morgen ohne große Hürden auf einen Rechteckfilter eines anderen umsteigen können, wenn die fotografische Situation es verlangt.
Genau von diesem Gedanken bin ich bei der Entwicklung des LC Pro 100 ausgegangen. Über Jahre hinweg habe ich auf Reisen und Workshops immer wieder dieselbe Beobachtung gemacht: Viele Filtersysteme funktionieren in der Theorie gut, scheitern aber an der Praxis. Winzige Einstellräder, die sich mit kalten Fingern kaum bedienen lassen. Mechaniken, die bei feuchtem oder kaltem Wetter schwergängig werden. Halterungen, die sich im entscheidenden Moment verschieben, während das Licht bereits kippt und keine Zeit für Nachjustierungen bleibt.
Offenheit als Designprinzip
Bei der Entwicklung des LC Pro 100 stand daher von Anfang an die Frage im Mittelpunkt, wie ein System aussehen müsste, das diese Probleme löst, ohne sich selbst in eine geschlossene Logik zu begeben. Das Ergebnis ist ein modulares System, das Rund- und Rechteckfilter in einer gemeinsamen Konstruktion vereint und dabei eine offene 100mm-Kompatibilität beibehält. Wer bereits Filter in diesem Format besitzt, unabhängig vom Hersteller, kann sie weiterhin nutzen.
Praktisch zeigt sich dieser Ansatz etwa im CPL-Einstellrad, das deutlich größer dimensioniert ist als bei vergleichbaren Systemen und sich auch mit Handschuhen sicher bedienen lässt. Oder bei der magnetischen Schnellmontage, die eine robuste Verbindung schafft, ohne die Flexibilität einzuschränken. Der Polfilter bleibt dabei auch bei einer Rotation der Halterung fixiert, ein Detail, das sich erst in der täglichen Anwendung als wirklich relevant erweist.
Eine Frage der Investitionssicherheit
Wer in Ausrüstung investiert, investiert in der Regel nicht für eine Saison, sondern für Jahre. Diese langfristige Perspektive verdient meiner Ansicht nach auch ein langfristig durchdachtes System als Gegenstück. Geschlossene Plattformen mögen kurzfristig komfortabel wirken, weil alles aus einer Hand kommt. Langfristig schränken sie jedoch die Wahlfreiheit ein und machen Anwenderinnen und Anwender von den Produktentscheidungen eines einzelnen Herstellers abhängig.
Offene Systeme verteilen dieses Risiko. Sie erlauben es, einzelne Komponenten zu ersetzen, zu erweitern oder mit Produkten anderer Anbieter zu kombinieren, ohne die gesamte Ausrüstung neu anschaffen zu müssen. Das ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch eine Frage der fotografischen Freiheit: Wer unabhängig von Herstellergrenzen arbeiten kann, kann sich stärker auf die eigentliche fotografische Entscheidung konzentrieren, statt auf die Kompatibilität der Ausrüstung.
Die Entwicklung des LC Pro 100, von der ersten Skizze bis zur Serienreife vollständig in Eigenregie umgesetzt, war für mich auch ein Versuch, diesen Gedanken konsequent zu Ende zu denken. Ob das gelungen ist, kann letztlich nur die Praxis zeigen, im Feld, bei Wind und Kälte, im entscheidenden Moment, wenn das Licht kippt und die Technik nicht im Weg stehen darf.
(Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)
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