Keine Zeit sich zu qualifizieren: Das Dilemma junger Ingenieure
08.04.2013 / ID: 110191
Bildung, Karriere & Schulungen
Hochschul-Absolventen von heute können wegen des verkürzten Studiums und der ebenfalls kürzeren Schulzeit menschlich und fachlich nicht die Fähigkeiten mitbringen wie frühere Jahrgänge. Darauf weist der Unternehmer und Karriereberater Joachim Lang in einem Interview mit den "VDI nachrichten" hin. Arbeitgeber müssten daher bei ihrer Suche nach Fachpersonal "Kompromisse machen und überlegen, wie sie die Integration in den Betrieb und in firmenspezifische Themen bewerkstelligen". Die Qualifikation eines Bewerbers werde nur selten vollständig der ausgeschriebenen Stelle entsprechen, so Lang.
Um fehlende persönliche Qualifikationen aufzufangen, empfiehlt Joachim Lang, "dass man das Thema Persönlichkeitsentwicklung in das Studium fest integriert". Viele Hochschulen seien zu sehr auf die Vermittlung von Fachwissen ausgerichtet. Die Absolventen müssten aber später neben der Fach- auch Führungsverantwortung wahrnehmen. Zwar werde die Trennung von Projekt- und Personalführung in immer mehr Betrieben angeboten, mit Konflikten und Meinungsverschiedenheiten müssten Führungskräfte aber grundsätzlich umgehen lernen.
Junge Ingenieure müssten außerdem in den ersten Berufsjahren eine realistische Vorstellung von ihrem eigenen Karriereweg entwickeln, so Joachim Lang. Um auch später gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, seien Flexibilität und Offenheit zum Beispiel für die Mitarbeit an unterschiedlichen Projekten erforderlich. "Wenn jemand über Jahre ausschließlich in einer Abteilung beschäftigt war, hat er ein sehr begrenztes Erfahrungsspektrum."
In dem Interview geht es auch um den oft zitierten Fachkräftemangel in Deutschland. Dazu Joachim Lang: "Ich erkenne keinen direkten Mangel an jungen Absolventen. Viel Auswahl besteht aber auch nicht." Im Schnitt finde derzeit jeder Absolvent eine Anstellung. Eine Verlagerung von Entwicklungsabteilungen ins Ausland oder an Ingenieur-Dienstleister sei zwar eine Variante, das Personalproblem kurzfristig zu beheben, "aber auf Dauer löst es nicht das demografische Problem in Deutschland". Joachim Lang rechnet hingegen damit, "dass die Akzeptanz von Mitarbeitern über 50 in den nächsten Jahren deutlich steigen wird".
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