Fast jeder dritte Ausbildungsvertrag wird gelöst
30.07.2026 / ID: 444512
Bildung, Karriere & Schulungen
Die fränkische Trainerin Ute Herzog über die unterschätzte Rolle der Menschenkenntnis in der Ausbildung – und was Ausbilderinnen und Ausbilder von Anfang an richtig machen können.Nürnberg, 30. Juli 2026. Wenn im Spätsommer die neuen Auszubildenden starten, beginnt für viele Betriebe eine heikle Phase. Fast jeder dritte Ausbildungsvertrag in Deutschland wird vorzeitig gelöst: Die Vertragslösungsquote lag zuletzt bei 29,7 Prozent (BIBB-Datenreport 2025 ) und damit weiter auf Rekordniveau. Der Großteil dieser Lösungen fällt ins erste Ausbildungsjahr, davon rund ein Drittel bereits in die Probezeit.
Nicht jede Vertragslösung bedeutet das endgültige Aus, denn viele Jugendliche starten anderswo neu. Doch jeder Abbruch ist ein Bruch, der beide Seiten Zeit, Geld und Nerven kostet. Für Ute Herzog, Trainerin und Vortragsrednerin für Menschenkenntnis, Empathie und Körpersprache und bekannt als „Die Menschenleserin aus Franken", liegt die eigentliche Ursache selten dort, wo man sie vermutet.
„Die wenigsten Ausbildungen scheitern am Fachwissen. Sie scheitern daran, dass sich zwei Menschen nicht verstehen - und dass niemand rechtzeitig hinschaut", sagt Herzog. In den vergangenen Jahren hat sie mehrfach junge Menschen, deren Ausbildung zuvor abgebrochen oder unterbrochen worden war und die ihr über eine Industrie- und Handelskammer vermittelt wurden, zum Abschluss geführt. Alle bestanden ihre Prüfung im ersten Anlauf.
1. In den ersten Wochen entscheidet sich, ob Vertrauen entsteht, erklärt sie. Wer sein Gegenüber in dieser Zeit richtig liest und die leisen Signale ernst nimmt, verliert später deutlich weniger Auszubildende. Vier Punkte, auf die es aus Sicht der Expertin zum Ausbildungsstart ankommt:
2. Den Menschen sehen, nicht den Typ. Jeder Azubi bringt eine eigene Art mit, zu lernen und zu kommunizieren. Wer genau hinschaut, statt in Schubladen zu denken, erkennt früh, was das Gegenüber wirklich braucht. Die Probezeit als Beziehungsphase begreifen. Regelmäßige, ehrliche Gespräche auf Augenhöhe sind in dieser Zeit wichtiger als jede Checkliste.
3. Signale ernst nehmen, bevor sie laut werden. Rückzug, Unsicherheit oder Überforderung zeigen sich meist zuerst in Mimik und Körpersprache – lange bevor jemand sie ausspricht.
4. Erwartungen klar machen – und nach den Erwartungen des Azubis fragen. Missverständnisse entstehen oft, weil beide Seiten Selbstverständlichkeiten voraussetzen, die keine sind.
„Ausbilderinnen und Ausbilder müssen keine Psychologen sein", so Herzog. „Aber wer lernt, sein Gegenüber richtig zu lesen, begleitet deutlich mehr junge Menschen erfolgreich bis zum Abschluss - und wirkt damit auch dem Fachkräftemangel entgegen.".
Über Ute Herzog
Ute Herzog ist Rednerin, Trainerin und Coach für Menschenkenntnis, Körpersprache und Face Reading – bekannt als „Die Menschenleserin aus Franken". Seit 2014 zeigt sie Menschen in Unternehmen, Verwaltung und Sozialwirtschaft, wie sie ihr Gegenüber besser verstehen und souveräner mit schwierigen Situationen umgehen. Sie verfügt über die Ausbildereignung (AEVO), ist zertifizierter Business Coach (EMCC) und Autorin des Buchs „Schwierig sind immer die Anderen – Eine Einführung ins Menschenlesen". Mehr unter uteherzog.de.
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