Haben die österreichischen RegierungsverhandlerInnen nichts verstanden?
13.11.2013 / ID: 145326
Familie, Kinder & Zuhause
(NL/7992636470) Die Forderung der österreichischen RegierungsverhandlerInnen, VolksschullehrerInnen zur speziellen Förderung im Kindergarten anzustellen, ist eine nicht mehr zu überbietende Ignoranz gegenüber allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, internationalen Erfahrungen und nicht zuletzt gegenüber den KindergartenpädagogInnen und den Kindern. KindergartenpädagogInnen sind die ExpertInnen für alle Bildungs- und Förderangebote im Kindergarten.
Seit einigen Jahren wissen wir, dass ca. 25% aller Kinder mit nur schwer aufholbaren sprachlichen Defiziten in die Volksschule kommen.
Die Regierung hat in den letzten Jahren daraus den richtigen Schluss gezogen: Der Kindergarten rückte langsam aber sicher in den Fokus der Bildungspolitik. Es wurden Maßnahmen eingeleitet, die dazu beitragen sollten, dass alle Kinder mit sprachlichen Problemen gezielte Förderung erhalten.
Kindergartenkinder lernen anders als Schulkinder
Es ist eine Binsenweisheit, dass Kinder im Kindergartenalter am leichtesten und am schnellsten lernen. Allerdings lernen Kinder in diesem Alter ganz anders als Schulkinder. Deshalb gibt es seit 150 Jahren eine eigene Ausbildung für KindergartenpädagogInnen. Diese PädagogInnen lernen, welche Bildungsangebote mit welchen Methoden und Mitteln für dieses Alter geeignet sind.
Die Plattform EduCare und viele ExpertInnen aus dem erziehungs- und sprachwissenschaftlichen Bereich haben in unzähligen Aussendungen darauf hingewiesen, dass die in den letzten Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Förderung von Kindern mit Sprachdefiziten zwar grundsätzlich in die richtige Richtung weisen, aber dass die dafür notwendigen Rahmenbedingungen fehlen. Wenn eine Kindergartenpädagogin bis zu 25 Kinder in der Gruppe betreuen, erziehen und bilden muss, bleiben jene Kinder, die eine gezielte Förderung brauchen zwangsläufig auf der Strecke!
Der beste Bildungsplan nützt nichts, wenn er nicht umgesetzt werden kann. Die beste Aus- und Weiterbildung für PädagogInnen nützt nichts, wenn diese keine Zeit haben, das Gelernte zum Wohle des einzelnen Kindes umzusetzen.
Alle PädagogInnen müssen gleichwertig aber nicht gleich ausgebildet werden
Die Regierung wird von der elementarpädagogischen Community seit Jahren aufgefordert, den Kindergarten mit der Schule gleichzustellen und die PädagogInnen auf demselben Niveau wie LehrerInnen auszubilden.
Niemand in diesem Land, der sich fachlich mit Bildungsfragen beschäftigt, kommt auf die Idee, dass VolksschullehrerInnen gelernt hätten, mit Kindergartenkindern zu arbeiten und selbstverständlich kommt niemand auf die Idee, dass ausgebildete Hauptschul- und AHS-LehrerInnen geeignet wären, in der Volksschule zu unterrichten. Es ist nicht die gleiche Ausbildung, sondern eine gleichwertige Ausbildung aller PädagogInnen längst fällig.
KindergartenpädagogInnen sind die ExpertInnen für die Bildungsarbeit im Kindergarten.
Die Forderung der RegierungsverhandlerInnen, VolksschullehrerInnen zur speziellen Förderung im Kindergarten anzustellen, ist eine nicht mehr zu überbietende Ignoranz gegenüber allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, internationalen Erfahrungen und nicht zuletzt gegenüber den KindergartenpädagogInnen und den Kindern. KindergartenpädagogInnen sind die ExpertInnen für alle Bildungs- und Förderangebote im Kindergarten.
Zum Bericht des Ö1 Morgenjournals vom 13.11.2013: Für Kindergartenkinder ist klar: Vor allem Schwächen in Deutsch sollen früh beseitigt werden, dafür soll es mehr Förderung geben. Neben den Sprachkenntnissen sollen künftig auch andere Kompetenzen, etwa die Motorik, unter allen Vierjährigen abgetestet werden. Damit der Übergang in die Volksschule leichter fällt, könnten Volksschullehrer zwei bis drei Wochenstunden in Kindergärten unterrichten, und zwar im letzten Kindergartenjahr.
<a href="http://oe1.orf.at/artikel/357595" title="http://oe1.orf.at/artikel/357595">http://oe1.orf.at/artikel/357595</a>
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