Dr. Eckhart Ruschmann Weltanschauungen und Gottesbilder
15.05.2013 / ID: 116960
Politik, Recht & Gesellschaft
Mündig ist, wer ein eigenes Weltbild hat
Vielen Menschen ist heute bewusst, dass es kein richtiges, für alle verbindliches Weltbild gibt. Sie können und wollen deshalb keine vorgeformte Weltsicht von der Stange übernehmen - und entwickeln ihr eigenes Weltbild. Persönliche Lebensphilosophie nennt Dr. Eckart Ruschmann diese Praxis einer fortlaufenden Sinnsuche. Und hält sie für zukunftsweisend, wenn die Menschheit ihren Zugang zur geistigen Dimension erneuern möchte. Sein neues Buch Weltanschauungen und Gottesbilder zeigt einen Prozess auf, mit dem wir diese persönliche Lebensphilosophie versprachlichen können. Ein philosophischer Schlüssel, eine ureigene Antwort auf die Sinnfrage zu entdecken.
Gekonnt verknüpft der Autor Texte bekannter Philosophen aus West und Ost, die von der Antike bis zur Gegenwart ein breites Spektrum möglicher Weltbilder vorgezeichnet haben - Einladungen, einen Abgleich mit der eigenen Philosophie zu wagen. Mehr noch als akademische Philosophen haben Laienphilosophen die Freiheit, eigenverantwortlich zu einer ganz persönlichen Weltanschauung zu gelangen - jenseits aller Dogmen und Konventionen. Der erfahrene Dozent macht mit vielen konkreten Praxisbeispielen deutlich, wie dieses Geflecht eigener Überzeugungen und Werte im Dialog sichtbar gemacht werden kann.
So greift das Buch die Tradition eines Sokrates auf, um den Leser zur Entwicklung einer eigenen Weltsicht zu ermutigen: Wo verorte ich Achtung, Ehrfurcht, Demut und - vor allem - Liebe in meinem Leben? Schließt meine Weltsicht Metaphysisches mit ein? Der Auftakt für einen Prozess, der Schritt für Schritt in die Mündigkeit führt - Ruschmann macht ein philosophisches Rüstzeug zugänglich, mit dessen Hilfe jeder persönliche Weltanschauungen reflektieren, vertiefen - und gegebenenfalls verändern kann. Jenseits der ausgetretenen Pfade, die Wissenschaften, Religionen oder esoterische Lehren nahelegen. Eine wichtige Orientierung ist dabei die Frage nach dem Sinn. Durch ein Aufdecken der verschiedenen Sinnquellen und -ressourcen können sich neue Sinndimensionen erschließen und das Leben bereichern.
Den Beitrag der abendländischen Geistesgeschichte sieht Ruschmann dabei kritisch. Seiner Analyse zufolge hat sie eine Verengung der Konzepte mit sich gebracht: Die heute vorherrschende naturalistische Weltanschauung muss viele Phänomene wie alternative Heilweisen ausgrenzen, weil sie in ihr Welt- und Menschenbild schlichtweg nicht hineinpassen. Auch die Nahtoderfahrungen sind mit dem traditionellen, naturwissenschaftlich dominierten Weltbild nicht angemessen zu erfassen. Das Buch stellt einen erweiterten Deutungshorizont vor, der auf dem Boden des heutigen wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Wissens steht und gleichzeitig die Grenzen einer eng geführten Rationalität überschreitet. In dem Raum, der sich durch diesen Prozess öffnet, verorten Laienphilosophen ihre Position. Dabei ist ihnen klar, dass es kein richtiges, für alle verbindliches Weltbild gibt. Gerade das gibt ihnen die Freiheit, sich selbst neu zu finden. Ein kraftvolles Plädoyer, sich besser kennenzulernen, um eigene Werte zum Maßstab des Handelns machen zu können.
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