Jura-Studium ist eine Dauerreformbaustelle
18.06.2013 / ID: 122630
Politik, Recht & Gesellschaft
Essen, 18. Juni 2013*****Heidelberg - Nach der Reform ist vor der Reform. Auf diese kurze Formel lässt sich das Ergebnis der 11. Soldan Tagung bringen, die am 13. und 14. Juni 2013 in Heidelberg stattfand. Die von der Hans Soldan Stiftung zusammen mit dem Heidelberger Zentrum für anwaltsorientierte Juristenausbildung organisierte Tagung ging der Frage nach, ob sich die Erwartungen an das vor zehn Jahren inKraft getretene Gesetz zur Reform der Juristenausbildung erfüllt haben. Die Reform von 2003 brachte zwei wesentliche Neuerungen: die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung und die Berücksichtigung der rechtsprechenden, verwaltenden und rechtsberatenden Praxis einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen.
In der Auftaktveranstaltung am Donnerstagabend (13.06.2013) im Europäischen Hof in Heidelberg stellte die Dekanin der Juristischen Fakultät und Direktorin des Zentrums für anwaltsorientierte Juristenausbildung, Professorin Dr. Ute Mager, fest, dass die anwaltsorientierte Methode oft die Studenten überfordere und die Professoren bezweifelten, ob sich der Aufwand lohne. In Heidelberg strebe man die Abschaffung der Schwerpunktbereiche an, will aber an der Anwaltsorientierung weiter festhalten. Das Jura-Studium sei in Dauerreform. Prof. Dr. Andreas Piekenbrock, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für anwaltsorientierte Juristenausbildung, stieß in dasselbe Horn. Die auf der 2. Soldan Tagung etablierten Soldan-Thesen zur anwaltsorientierten Ausbildung blieben zwar bestehen, man strebe aber an, die Schwerpunktorientierung zu beenden. Der Unterricht an der Universität orientiere sich aber weiterhin an der Anwaltstätigkeit.
Auch auf der eigentlichen Tagung am Freitag (14.06.2013) im "Alten Hallenbad" in Heidelberg stand die Reform in der Kritik. So meinte Prof. Dr. Peter Huber, Richter des Bundesverfassungsgerichts und Vorsitzender des Deutschen Juristen-Fakultätentags zwischen 1999 und 2009, das Jurastudium sei "semper reformanda". Das Grundkonzept sei besser als die einphasige Ausbildung, aber alle Beteiligten hätten sich wenig Mühe gegeben, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. So finde die geplante interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht statt. Die zugesagte Mehrausstattung durch den Staat ist nicht, so wie erwartet, erfolgt. Er schloss seine Ausführungen mit dem Hinweis, dass es vielleicht keinen Anlass zum Feiern gebe, aber es gebe auch keinen Weg zurück.
Herr Rechtsanwalt Prof. Dr. Gerald Rittershaus aus Mannheim berichtete anschaulich über die Einführung und Entwicklung der anwaltsorientierten Juristenausbildung in Heidelberg. Er bezeichnete sie als "immer im Bau und mit Gerüsten versehen wie das auf dem Flyer zur Soldan-Tagung abgebildete Heidelberger Schloss". Dr. Corinna Dylla Krebs, von 1999 bis 2004 im nordrhein-westfälischen Justizministerium NRW beschäftigt, hielt die am 1.7.2003 in Kraft getretene Reform für gelungen, wenn auch verbesserungsfähig.
Prof. Dr. Christan Wolf, Geschäftsführender Vorstand des Instituts für Prozess- und Anwaltsrecht der juristischen Fakultät Hannover, berichtete über verschiedene Treffen mit Anwälten großer sowie mittlerer Kanzleien und deren Einstellung zur Juristenreform. Festzuhalten sei, dass "Bologna" schon im Sinne von Verschulung angekommen sei. Einig sei man sich darüber, dass zu wenig Vertragsgestaltung gelehrt werde, aber es sei auch zu wenig darüber geforscht worden. Die Vermittlung des Wissens um das Anwaltsrecht im engeren Sinne sei jedenfalls eine "Fehlanzeige".
Die von der Hans Soldan Stiftung und der jeweils gastgebenden Universität gemeinsam ausgerichtete Tagung hat sich in den zurückliegenden 14 Jahren zu dem Forum entwickelt, auf dem Wissenschaft und Praxis im Dialog über die juristische Ausbildung nachdenken und Reformvorschläge zur anwaltsorientierten Juristenausbildung ausarbeiten.
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