...sag mir, wo die Millionen sind. Wo sind sie geblieben...
08.07.2014 / ID: 171982
Politik, Recht & Gesellschaft
8. Juli 2014 Ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass sich viele unserer Schlagzeilen ähneln? "Anleger fürchten um ihr Geld", "300 Millionen Euro sind verschwunden", "Anlegermillionen verschleudert", "Erfolgskonzept entpuppt sich als erfolgreicher Betrug". Die Fälle ähneln sich ebenso wie die Opfer. Was bleibt ist die Frage, wie es die Finanzhaie schaffen, dass ihnen immer wieder geglaubt wird. Aber: Wenn Menschen Geld in der Hoffnung auf schnellen Reichtum investieren, frisst die Gier den Verstand und sie werden leichte Beute für Kapitalmarkt-Hyänen.
Die selbsternannten Experten sind die bunten Paradiesvögel in der Tristesse des Grauen Kapitalmarkts. Sie stechen durch ihre schillernde Persönlichkeit, ihr charismatisches Auftreten und ihre beinahe spirituelle Aura aus der Masse der Rendite-Propheten hervor. Möglich, dass manche von ihnen zu Beginn ihrer Karriere hehre Absichten hegen; wenn aber der Euro lawinenartig ins Rollen kommt, sind es niedere Beweggründe, die sie zum skrupellosen weiteren Geld einsammeln zwingen. Und ja - für den, der sich traut, ist es relativ leicht an Millionen zu kommen, wenn seine Parole stimmt.
"Nehme Geld, biete Traumzins!"
Die "Gentlemen" von heute bitten nicht mehr auf britischen Schienen zur Kasse. Sie konstruieren undurchsichtige Unternehmenskonglomerate und gründen Firmen mit wichtig klingenden Namen im In- und Ausland, besonders gern in der Schweiz oder in Luxemburg. Hinter dem Firmenlogo verbirgt sich in der Realität meist nur eine gemietete Wohnung oder ein virtuelles Büro. Neben dem Briefkasten gibt es dort lediglich ein Faxgerät und ein Telefon, das eingehende Anrufe umleitet.
Die Firmen, deren enge Verwandtschaft äußerlich nicht erkennbar ist, bestätigen sich im Internet gegenseitig überdurchschnittliche Kompetenz und außergewöhnlichen Erfolg. Ist die künstliche Reputation perfektioniert und mit virtuellen Referenzen belegt, geht es ans Eingemachte. Dann werden Fonds mit unwiderstehlichen Zinsversprechen initiiert und emittiert. Die Zinspropheten predigen von Investitionen in umweltfreundliche Technik, in innovative Konzepte, in neue Produkte und die Jünger der Zahlungswilligen zücken verblendet ihre Scheine in der Hoffnung auf schnelle Vermehrung derselben. Mit der ständig wachsenden Schar der "Gläubigen" wächst auch die Investitionssumme. Nun kommen die gekauften Medien ins Spiel. Schnell werden die selbst geschaffenen positiven Meldungen verbreitet. Kurz: die Erfolgsstory geht ihren Gang.
Die schnell wachsende Zahl der Anleger vermehrt das eingesammelte Geld erneut. Das macht es für die Betrüger leicht, anfallende Zinsen zu bedienen oder Auszahlungen an die "Alt-Anleger" zu berappen. Werden anfangs die Zahlungen geleistet, gibt es erneut Lob von der Presse und die Zahl derer, die die Anlage wegen der eigenen Provision vermitteln, vermehrt sich schneeballsystemartig. Ob die Unternehmen, in die der Fonds - zumindest auf dem Papier - investiert, tatsächlich existieren, bzw. Umsätze machen, wird kaum hinterfragt.
Warum Münzen lauter klimpern als Sirenen heulen
Die Liste derer, die das Handwerk der wirtschaftlich unbegründeten Umsatzgenerierung verstehen, ist lang, ihre Namen unscheinbar. Bernie, Helmut, Jürgen, Frank, Florian, Ulrich, Christof, Jonas, Michael - sie heißen wie Jedermann. Sie alle verfahren nach dem schon genannten Muster. Sie bieten hohe Zinsen, da sie mit dem Geld der Anleger "Sensationelles" produzieren, unterstützen oder umsetzen. Von der Goldsuche in Kanada über die Bergung verschollener antiker Schiffsschätze und riesigen Riesen-Riesenrädern bis hin zur rauchfreien Zigarette. Bei manchen Versprechungen kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Beispiel: Eine garantierte Kapitalrückzahlung nach 30 Jahren in Höhe von 2.691,08 %. Institutionellen Investoren vorbehalten, ließe sich damit in 30 Jahren aus 100.000 Euro Einlage ein stattliches Vermögen von knapp 270 Millionen Euro generieren!!! Egal wie lächerlich die Konzepte sind, das Klimpern barer Münze scheint stets alle Alarmsirenen zu übertönen. Und so werden wir auch in Zukunft oben genannte Schlagzeilen schreiben müssen.
Ein Kommentar von Claudia Lunderstedt-Georgi, Geschäftsführerin des Deutschen Verbraucherschutzrings e.V. (www.dvs-ev.net)
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