"Die Natur des Menschen ist es, auf der faulen Haut zu liegen"
07.05.2012 / ID: 59723
Tourismus & Reisen
Jedes Jahr im Frühjahr: Ferienplanung und Ferienfreude. Auch dieses Jahr werden wieder Rekorde aufgestellt. Trotz der Krise fahren die Deutschen weiterhin gerne in Urlaub. Egal, was kommt, der Urlaub soll ihnen trotz aller Unkenrufe keiner vermiesen. Warum das so ist, darüber haben wir mit dem Freiburger Soziologen Sacha Szabo gesprochen.
__________________________________________
Sommerzeit ist Urlaubszeit - wie verbringt ein Soziologe im Jahr 2012 die Ferien.
Sacha Szabo: Natürlich entspannt auch ein Soziologe. Das ist, so im Übrigen meine Auffassung, das zentrale Motiv des Urlaubs: nichts tun und in der Sonne liegen.
Urlaub bedeutet also auf der faulen Haut zu liegen?
Sacha Szabo: "Faule Haut" klingt so abwertend. Tatsächlich ist die unmittelbare Erfahrung von Sonne, Sand und Meer auf der nackten Haut ein ursprüngliches Naturerlebnis, das durch zivilisatorische Akte oder -nennen wir es beim Namen - durch Kleidung gemindert wird. Der Mensch als natürliches Wesen, als Tier, hat nun ein Bedürfnis eben nach dieser Erfahrung.
Die Faulheit ist also die Natur des Menschen?
Sacha Szabo: Zugespitzt gesagt: ja! Aber wir müssen mitbedenken, dass es durch den Einfluss des Protestantismus auf unsere Freizeitgestaltung nicht gerngesehen wird, nicht zu tun, eigentlich soll man nur Dinge tun, die der Erbauung oder der Belehrung dienen. Der Protestantismus verabscheut unnütze Dinge, wie das Nichtstun. Aus diesem Grund wird Urlaub unter anderem als Lernexpedition verstanden unter dem allseits bekannten Motto: "Land und Leute kennenlernen".
Das ist nicht ihr Ernst?
Sacha Szabo: Doch sehr wohl. Der Ursprung des Urlaubs liegt in der adligen Bildungsreise. Dieser Reise begriff wurde nun vom Bürgertum übernommen. In der Romantik kam noch die Aufwertung der Natur hinzu und voilà: Hier ist der moderne akzeptierte Urlaub. Ich muss sozusagen meine Auszeit legitimieren, indem ich irgendwelche Kirchen oder Grotten oder Bäume ansehe.
Bäume?
Sacha Szabo: Haben Sie noch nie darauf geachtet, in wie vielen Urlaubszielen Bäume als Sehenswürdigkeit angepriesen werden. Das ist doch das Eingeständnis von Kulturlosigkeit, wenn man ein massenhaft vorkommendes Ding wie einen Baum zur Sehenswürdigkeit erklärt und dann mit dem Bus hingekarrt wird. Im Übrigen ist gar nicht geklärt, ob die Einwohner überhaupt kennengelernt werden wollen. Also, ich will nicht ausgestellt werden und das unterstelle ich wiederum gerne anderen in Touristenorten ansässigen.
Trotzdem boomt auch der nachhaltige Tourismus.
Sacha Szabo: Der Tourismus lebte immer von der Dialektik, sich als exklusives Erleben zu inszenieren und doch ein Massenprodukt zu sein. Immer wird eine Destination von Urlaubspionieren ausgewählt, die, sobald Nachzügler dorthin reisen, den Ort abwerten. Man kennt ja die Geschichten à la "vor drei Jahren war das noch ein ganz verschlafenes Fischerdorf, aber jetzt ...". Tourismus ist immer ein Verteilungskampf um symbolisches Kapital.
Das heißt, Sie verwehren sich dieser Art von Urlaub?
Sacha Szabo: (lacht) Nein, natürlich funktionieren diese Mechanismen auch bei mir. Weshalb ich oft einen Tagesausflug buche, der mich zu den Sehenswürdigkeiten führt und natürlich sehe ich mir auch den jeweiligen berühmten Baum an und mache davon ein Foto, so dass ich beweisen kann, dass ich auch wirklich dort war.
http://www.institut-theoriekultur.de
Institut für Theoriekultur
In der Breige 9 79189 Bad Krozingen
Pressekontakt
http://www.institut-theoriekultur.de
Selbstständig/ Institut für Theoriekultur
In der Breige 19 79189 Bad Krozingen
Diese Pressemitteilung wurde über PR-Gateway veröffentlicht.
Für den Inhalt der Pressemeldung/News ist allein der Verfasser verantwortlich. Newsfenster.de distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen.
Empfehlung | devASpr.de
Kostenlos Artikel auf newsfenster.de veröffentlichen
Kostenlos Artikel auf newsfenster.de veröffentlichen
Weitere Artikel von Sacha Szabo
28.05.2014 | Sacha Szabo
Die Poesie der Farben
Die Poesie der Farben
20.01.2014 | Sacha Szabo
"Unterschichtsfernsehen" ist in zweihundert Jahren Hochkultur
"Unterschichtsfernsehen" ist in zweihundert Jahren Hochkultur
08.01.2014 | Sacha Szabo
"Playmobil durchleuchtet". Eine wissenschaftliche Würdigung zum 40ten Geburtstag von Playmobil
"Playmobil durchleuchtet". Eine wissenschaftliche Würdigung zum 40ten Geburtstag von Playmobil
18.09.2013 | Sacha Szabo
"Das Oktoberfest maßvoll genießen"
"Das Oktoberfest maßvoll genießen"
23.01.2013 | Sacha Szabo
Die Spekulation ist eine anthropologische Kontante
Die Spekulation ist eine anthropologische Kontante
Weitere Artikel in dieser Kategorie
04.01.2026 | Sebastian Vetter Reiseblog
Vintage-Shopping in Luzern: Sebastian Vetter und Schönheitschirurg Dr. Thomas Vogel auf Schatzsuche
Vintage-Shopping in Luzern: Sebastian Vetter und Schönheitschirurg Dr. Thomas Vogel auf Schatzsuche
02.01.2026 | Heuboden GmbH
Was die Mandelblüte für Mallorca ist die Kirschblüte im Südschwarzwald und dem Breisgau
Was die Mandelblüte für Mallorca ist die Kirschblüte im Südschwarzwald und dem Breisgau
31.12.2025 | NOTATE Pressedienst
Kurioses in Irland: Geheimtipps zum Staunen
Kurioses in Irland: Geheimtipps zum Staunen
29.12.2025 | Apartments Austria Söll GmbH
Unterkunft in Söll: Apartments für Skiurlaub und Sommerferien in Tirol im Überblick
Unterkunft in Söll: Apartments für Skiurlaub und Sommerferien in Tirol im Überblick
19.12.2025 | Engeltherapie Deutschland
Ein Urlaub der ganz anderen Art - diese fünf Tage verändern Dich und den Rest deines Lebens für immer
Ein Urlaub der ganz anderen Art - diese fünf Tage verändern Dich und den Rest deines Lebens für immer

