Pressemitteilung von Joschi Haunsperger

Der Nachfolger kommt selten per Stellenanzeige


19.10.2026 / ID: 447402
Werbung, Marketing & Marktforschung

Der Nachfolger kommt selten per StellenanzeigeTausende mittelständische Unternehmen stehen in den kommenden Jahren vor einer entscheidenden Frage: Wer führt den Betrieb weiter, wenn der Inhaber ausscheidet? Was auf den ersten Blick wie eine Personalentscheidung wirkt, ist häufig eine der größten strategischen Herausforderungen im Unternehmerleben. Denn geeignete Nachfolger lassen sich nicht einfach per Stellenanzeige finden. Es braucht fachliche Eignung, unternehmerisches Verständnis, Finanzierung und vor allem Vertrauen.


Der Risiko-Report Mittelstand 2026 zeigt, wie dringend das Thema geworden ist. 54,7 Prozent der befragten Unternehmer bewerten die Abhängigkeit vom Inhaber als hohes Risiko. 31,1 Prozent sehen in einer ungeklärten Nachfolge eine Gefahr für die Zukunft ihres Unternehmens. Gleichzeitig fehlt vielen Betrieben die Zeit, sich frühzeitig mit dem Generationswechsel auseinanderzusetzen.


Nachfolge wird zur Existenzfrage


Nach Angaben des KfW-Nachfolge-Monitorings Mittelstand 2025 streben jährlich rund 109.000 mittelständische Unternehmen bis 2029 eine Nachfolgeregelung an. Gleichzeitig erwägt jedes vierte Unternehmen eine bewusste Geschäftsaufgabe nach dem Ausscheiden der bisherigen Inhabergeneration.


Hinter diesen Zahlen stehen Betriebe, Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und unternehmerisches Lebenswerk. Besonders kleinere und mittelständische Unternehmen sind häufig stark auf ihre Gründer oder langjährigen Geschäftsführer zugeschnitten. Sie verfügen über persönliches Kundenvertrauen, gewachsene Lieferantenbeziehungen und Wissen, das sich nicht ohne Weiteres übertragen lässt. Eine Nachfolge bedeutet deshalb weit mehr als einen Wechsel auf dem Chefsessel. Sie erfordert Menschen, die Verantwortung übernehmen können und zum Unternehmen passen.


Warum klassische Suchwege nicht ausreichen


Viele Unternehmer beschäftigen sich erst mit der Nachfolge, wenn der Ruhestand näher rückt. Dann werden Unternehmensbörsen durchsucht, Berater eingeschaltet oder potenzielle Käufer angesprochen. Diese Wege sind wichtig, doch sie brauchen Zeit.


Denn ein geeigneter Nachfolger muss nicht nur über Kapital oder fachliche Qualifikationen verfügen. Er sollte die Unternehmenskultur verstehen, Mitarbeiter überzeugen, Kundenbeziehungen weiterführen und eine tragfähige Zukunftsperspektive entwickeln. Gerade solche Faktoren lassen sich über persönliche Beziehungen häufig besser einschätzen als anhand eines Lebenslaufs oder eines anonymen Kaufinteresses. Eine Empfehlung aus einem vertrauenswürdigen Unternehmernetzwerk kann deshalb ein wertvoller Ausgangspunkt sein.


Netzwerke öffnen neue Nachfolgewege


Strategisches Netzwerken wird häufig mit Kundengewinnung, Empfehlungen oder Kooperationen verbunden. Dabei kann ein belastbares Netzwerk auch bei der Unternehmensnachfolge entscheidend sein. Über bestehende Beziehungen entstehen Kontakte zu Unternehmern, die expandieren möchten, zu potenziellen Beteiligungspartnern, erfahrenen Führungskräften oder Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit über eine Betriebsübernahme wagen wollen.


Ein Unternehmer, der regelmäßig mit Branchenkollegen, Beratern, Investoren und Entscheidern im Austausch steht, erweitert damit seine Handlungsmöglichkeiten. Statt ausschließlich nach einem klassischen Käufer zu suchen, können auch Beteiligungsmodelle, Management-Buy-outs oder schrittweise Übergaben in Betracht kommen. Das Netzwerk ersetzt allerdings weder Unternehmensbewertung noch rechtliche, steuerliche und finanzielle Prüfung. Es hilft vielmehr, geeignete Menschen überhaupt erst zusammenzubringen.


Vertrauen entsteht nicht kurz vor der Übergabe


Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Netzwerke erst dann zu aktivieren, wenn konkrete Unterstützung benötigt wird. Doch gerade bei einer Unternehmensnachfolge funktioniert dieser Ansatz selten. Wer einen Betrieb übernehmen soll, möchte das Unternehmen kennenlernen, Entwicklungen nachvollziehen und Vertrauen zum bisherigen Inhaber aufbauen. Umgekehrt möchte der Unternehmer wissen, ob der Interessent Verantwortung tragen und das Lebenswerk erfolgreich weiterführen kann. Solche Beziehungen entstehen nicht über Nacht. Sie brauchen Gespräche, gemeinsame Erfahrungen und Zeit. Deshalb sollte der Aufbau eines geeigneten Nachfolgenetzwerks bereits Jahre vor dem geplanten Rückzug beginnen.


Was Unternehmer frühzeitig tun sollten


Der erste Schritt besteht darin, die eigene Nachfolgesituation ehrlich zu analysieren. Welche Aufgaben hängen ausschließlich am Inhaber? Welche Mitarbeiter könnten perspektivisch Verantwortung übernehmen? Welche Unternehmer oder Investoren aus dem bestehenden Netzwerk kommen als Partner infrage?


Anschließend lohnt es sich, gezielt neue Beziehungen aufzubauen. Branchenveranstaltungen, Unternehmernetzwerke, persönliche Empfehlungen und der Austausch mit erfahrenen Geschäftsführern können helfen, neue Perspektiven zu erkennen. Ebenso wichtig ist es, das Unternehmen unabhängiger von der eigenen Person zu machen. Klare Prozesse, dokumentiertes Wissen und übertragbare Kundenbeziehungen erhöhen nicht nur die Nachfolgefähigkeit, sondern können auch den Unternehmenswert stärken.


Fazit: Nachfolge beginnt lange vor dem Abschied


Die Unternehmensnachfolge ist keine Aufgabe, die sich kurzfristig erledigen lässt. Sie ist ein langfristiger Prozess, bei dem neben wirtschaftlichen Faktoren vor allem Menschen und Vertrauen entscheidend sind. Unternehmer sollten deshalb nicht erst nach geeigneten Nachfolgern suchen, wenn der Ausstieg unmittelbar bevorsteht. Wer frühzeitig belastbare Netzwerke aufbaut, Beziehungen pflegt und neue Kontakte erschließt, schafft sich zusätzliche Optionen. Denn am Ende entscheidet nicht allein, wer einen Betrieb kaufen kann. Entscheidend ist, wer bereit und geeignet ist, seine Zukunft zu gestalten. Und solche Menschen findet man häufig über Beziehungen, die lange vor der eigentlichen Nachfolge entstanden sind.

(Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)

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