Fraunhofer IGD - Fachkräftemangel in der Inneren Sicherheit als strukturelle Herausforderung
12.05.2026 / ID: 441326
Wissenschaft, Forschung & Technik
Steigende Anforderungen in der Inneren Sicherheit: Digitale Technologien unterstützen SicherheitsbehördenBegrenzte personelle Ressourcen und komplexere Einsatzlagen erfordern neue Ansätze in der Inneren Sicherheit. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD zeigt, wie digitale Technologien Ermittlungen effizienter gestalten und Einsatzkräfte bei Analyse und Entscheidungsfindung gezielt unterstützen können.
Polizei und Sicherheitsbehörden stehen vor wachsenden Herausforderungen: Neben zunehmendem Fachkräftemangel müssen sie immer komplexere Einsatzlagen, steigende Datenmengen und neue Bedrohungsszenarien bewältigen. Studien zeigen, dass dies bereits heute die Arbeitsbelastung erhöht und langfristig die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Parallel dazu werden sicherheitsrelevante Entwicklungen zunehmend sichtbar: Laut Bundeskriminalamt wurden im Jahr 2025 über 1.000 verdächtige Drohnenflüge im Umfeld kritischer Infrastrukturen gemeldet. Auch die Deutsche Flugsicherung verzeichnet einen Anstieg von 99 Fällen im Jahr 2023 auf 144 bis August 2025 (+45 %). Im Cyberraum berichten das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie das CERT-Bund (Computer Emergency Response Team der Bundesverwaltung) in ihren aktuellen Lageberichten von einer zunehmenden Zahl auffälliger Netzwerkmuster und Anomalien.
Diese Entwicklungen verdeutlichen die wachsenden Anforderungen an Sicherheitsbehörden - insbesondere bei gleichzeitig begrenzten personellen Ressourcen.
Digitale Technologien gewinnen daher in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung. Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD entwickelt hierfür Lösungen, die Einsatzkräfte gezielt entlasten und die Auswertung komplexer Daten unterstützen
Technologien für aktuelle Einsatzanforderungen
Drohnen frühzeitig erkennen
Eine ereignisbasierte Event-Kamera unterstützt die Detektion von Drohnen und schnellen Objekten in dynamischen Einsatzsituationen. Sie erkennt Bewegungen auch unter schwierigen Lichtverhältnissen zuverlässig und kann Sicherheitsbehörden zusätzliche Reaktionszeit verschaffen. Gleichzeitig ermöglicht der energieeffiziente Betrieb der Event-Kameras längere Einsatzzeiten.
Cyber- und Netzwerkdaten effizient auswerten
Für die Analyse komplexer Daten entwickelt das Fraunhofer IGD interaktive Werkzeuge für Cyber- und Netzwerkdaten, etwa für Internetrouting, PCAP-Daten und Softwareschwachstellen. Die visuelle Aufbereitung trägt dazu bei, Auffälligkeiten schneller zu erkennen und fundierte Bewertungen zu unterstützen.
KI-basierte Unterstützung in dynamischen Einsatzlagen
KI-basierte Verfahren unterstützen Sicherheitsbehörden bei der Echtzeit-Identifizierung von Personen in Menschenmengen sowie bei der Lagebewertung in dynamischen Einsatzsituationen. Ein weiteres Forschungsfeld adressiert Face-Morphing-Angriffe: Hier erkennen spezielle Verfahren manipulierte biometrische Fotos und erhöhen die Sicherheit bei der Identitätsprüfung.
"Gerade in dynamischen Einsatzlagen ist Zeit ein entscheidender Faktor", sagt Florian Kirchbuchner, Abteilungsleiter Smart Living & Biometric Technologies am Fraunhofer IGD. "Unsere KI-basierten Verfahren helfen dabei, relevante Informationen aus großen Datenmengen in Echtzeit zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu unterstützen und biometrische Prüfverfahren robuster gegen Manipulationen zu machen."
Digitale Unterstützung in der Ermittlungsarbeit
Neben der Lagebewertung spielt auch die forensische Aufarbeitung eine zentrale Rolle: Mit CultArm3D, entwickelt in Kooperation mit dem Fraunhofer IGD-Spin-off Verus Digital GmbH, lassen sich Asservate kontaktlos und standardisiert als hochpräzise 3D-Modelle erfassen. Die automatisierte Digitalisierung ermöglicht eine reproduzierbare Dokumentation sowie eine standortunabhängige Begutachtung und kann Ermittlungsprozesse beschleunigen.
Realitätsnahe Trainings für komplexe Einsatzszenarien
Mit der Plattform Next Reality entstehen immersive Trainingsumgebungen für Sicherheitskräfte. Die Kombination aus Virtual Reality und realen Umgebungseffekten ermöglicht realitätsnahe Übungen unter Stressbedingungen - beispielsweise für Notfallszenarien wie eine Helikopter-Notwasserung.
Forschung im Dialog mit der Praxis
Digitale Technologien bilden einen ergänzenden Baustein, um vorhandene Ressourcen effizienter einzusetzen und datengestützte Entscheidungen zu ermöglichen. Die vorgestellten Lösungen präsentiert das Fraunhofer IGD im Rahmen der GPEC - General Police Equipment Exhibition & Conference vom 20. bis 22. Mai 2026 in Leipzig.
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Fraunhofer IGD auf der GPEC - 20.-22.05.2026
Fraunhofer-Gemeinschaftsstand - Halle 2, Stand J32
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Weiterführende Informationen:
- Weitere Informationen zu den Technologien und zur GPEC: https://www.igd.fraunhofer.de/de/veranstaltungen/gpec.html
- Weitere Informationen zum Thema Cybersicherheit: https://www.igd.fraunhofer.de/de/media-center/kundenmagazin/im-netzwerk-den-ueberblick-behalten.html
- Weitere Informationen zum Thema Biometrie: https://www.igd.fraunhofer.de/de/forschung/kernkompetenzen/biometrie.html
(Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)
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