Körperliche Passivität in der Freizeit
12.09.2016 / ID: 238805
Medizin, Gesundheit & Wellness
sup.- Die Menschen in Deutschland bewegen sich immer weniger. Nicht nur der Arbeitsalltag wird zunehmend durch sitzende Tätigkeiten dominiert, auch in der Freizeit zeigen viele Bundesbürger kaum Interesse an sportlichen Hobbys. Zu diesem Ergebnis kommt der Report "Wie gesund lebt Deutschland" aus dem Jahr 2016, der von der DKV und dem Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) herausgegeben wurde. Laut der repräsentativen Umfrage bestätigen 31 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer, dass sie in ihrer Freizeit überhaupt nicht körperlich aktiv sind. Dabei zeigt die Auswertung bezüglich des Körpergewichts: Je höher das Gewicht, desto häufiger ist körperliche Passivität kennzeichnend für das Freizeitverhalten. 26 Prozent der normalgewichtigen, 36 Prozent der übergewichtigen und 42 Prozent der adipösen Menschen geben gar keine körperliche Aktivität in der Freizeit an.
Ausreichende Bewegung, nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, ist jedoch in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Baustein für unsere Gesundheit. Augenscheinlich zeigt sich die Bedeutung von regelmäßiger Bewegung vor allem für eine ausgeglichene Energiebilanz, die Voraussetzung für Normalgewicht ist.
Im Zusammenhang mit der wachsenden Übergewichtsproblematik in Deutschland steht jedoch seit Jahren weniger das rückläufige Bewegungspensum der Bundesbürger im Fokus, sondern in erster Linie eine Ernährungs-Debatte. "Schuld für Übergewicht wird insbesondere bei der Lebensmittelindustrie gesucht, die angeblich heimtückisch Nahrungsmitteln versteckten Zucker beifügt, um die Menschen von ihren Produkten süchtig zu machen", karikiert der Wirtschaftsjournalist Detlef Brendel, Autor des lesenswerten Buches " Die Zucker-Lüge (http://www.randomhouse.de/Paperback/Die-Zucker-Luege/Detlef-Brendel/Ludwig/e489063.rhd#buchInfo1)" (Ludwig-Verlag). Dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Zucker und Übergewicht belegen, dass Zucker zwar schmackhaft ist, aber keineswegs süchtig macht und dass der durchschnittliche Zuckerkonsum der Deutschen seit Jahrzehnten nahezu konstant ist, irritiert bei unserem zuckerhysterischen Zeitgeist erstaunlicherweise kaum jemanden. Ein informatives Interview zu dieser Thematik bietet z. B. das Portal http://www.litlounge.tv in der Rubrik Gesundheit & Ernährung.
Die weit verbreiteten Anti-Zucker-Kampagnen entbehren jedoch nicht nur jeder Grundlage, sie wirken sich im Hinblick auf die Übergewichts-Epidemie sogar kontraproduktiv aus, weil sie den Blick auf die eigentlichen Ursachen versperren. Dieser Überzeugung sind Prof. Jill Pell von der Universität Glasgow und ihre Kollegen, die die Ernährungsgewohnheiten von über 130.000 Teilnehmern ausgewertet haben. Das Resultat der Studie: Bei übergewichtigen Menschen ist im Vergleich zu normalgewichtigen die Gesamtzahl der aufgenommenen Kalorien und davon vor allem der Anteil an Fett als Kalorienlieferant erhöht. Zuckerhaltige Lebensmittel sind hingegen als Kalorienquelle im Schnitt sogar seltener vertreten gewesen als bei Teilnehmern ohne Gewichtsprobleme.
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