Die Mär vom "versteckten" Zucker
10.10.2016 / ID: 241609
Medizin, Gesundheit & Wellness
sup.- Verbraucher müssen sich beim Lebensmitteleinkauf keine Sorgen um "versteckten" Zucker in Fertigprodukten machen. Auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Wer sich über den Gesamtzuckergehalt der Ware informieren will, erhält hierüber mit einem Blick auf die Nährwerttabelle exakte Auskunft. Die Angaben auf dem Etikett beziehen sich immer auf 100 Gramm bzw. bei flüssigen Lebensmitteln auf 100 Milliliter des jeweiligen Produkts. Aufgelistet sind hier der Brennwert in Kilojoule bzw. Kalorien, der Fettgehalt inklusive Angaben zu den gesättigten Fettsäuren, der Anteil an Kohlenhydraten und davon gesondert der Zuckeranteil, außerdem wird auf den Eiweiß- sowie Salzgehalt hingewiesen.
Bei den Angaben zum Zucker müssen die Hersteller darüber aufklären, wieviel Zucker insgesamt in einem Lebensmittel enthalten ist, unabhängig davon, ob Zucker bei der Zubereitung verwendet wurde oder bereits von Natur aus in anderen Zutaten wie z. B. Früchten oder Milch steckt. Für den Organismus spielt diese Unterscheidung nämlich keine Rolle. In der Zutatenliste finden interessierte Verbraucher zudem genaue Angaben, welche Zuckerarten zugesetzt wurden, also z. B. Zucker (Saccharose), Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fruktose), Milchzucker (Laktose) oder Malzzucker (Maltose). Bei diesen gesetzlich vorgeschriebenen Informationen vom "versteckten" Zucker in Lebensmitteln zu sprechen, entbehrt also jeder Grundlage.
Ohnehin ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die zunehmende Übergewichtsproblematik ursächlich im Zusammenhang mit dem Zuckerkonsum der Bundesbürger steht. Ursächlich ist vielmehr eine unausgeglichene Energiebilanz, weil die Deutschen zwar im Schnitt nicht mehr essen als früher, sich aber gravierend weniger bewegen und körperlich inaktiver sind, wodurch ihr Energieverbrauch erheblich gesunken ist. Hinzu kommt: Eine Studie zur Auswertung der Ernährungsgewohnheiten von über 130.000 Teilnehmern unter Leitung von Prof. Jill Pell (Universität Glasgow) hat gezeigt, dass bei übergewichtigen Menschen im Vergleich zu Normalgewichtigen vor allem die Gesamtzahl der Kalorien und davon der Anteil an Fett als Kalorienlieferant erhöht ist, der Anteil an zuckerhaltigen Lebensmitteln war hingegen sogar geringer. Einzelne Nährstoffe für die Übergewichtsepidemie verantwortlich zu machen, wie dies seit Jahren durch die zahlreichen Anti-Zucker-Kampagnen geschieht, ist nach Ansicht der Glasgower Forscher nicht sinnvoll, sondern wirkt sich im Gegenteil eher kontraproduktiv aus. "Aber es ist natürlich einfacher, die Lebensmittelindustrie mit ihrem angeblich versteckten Zucker für Übergewicht verantwortlich zu machen, als am eigenen Lebensstil anzusetzen und den inneren Schweinehund zu überwinden", moniert der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel, Co-Autor des lesenswerten Buches " Die Zucker-Lüge (http://www.randomhouse.de/Paperback/Die-Zucker-Luege/Detlef-Brendel/Ludwig/e489063.rhd#buchInfo1)" (Ludwig-Verlag, 16,99 Euro).
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