Ernährerin und Familienmanagerin: viele Mütter stehen an Grenze ihrer Ressourcen
10.05.2013 / ID: 115995
Politik, Recht & Gesellschaft
Stuttgart, 10. Mai - Das heile Bild von Müttern, das der Muttertag entwirft - glücklich, umringt von den Lieben - stimmt für viele Frauen nicht mehr: Immer mehr Mütter sind gezwungen, bis an die Grenze ihrer Ressourcen zu gehen: Ein Großteil der Alleinerziehenden und auch viele andere Frauen leisten einen existenziellen und unverzichtbaren Beitrag zum Familieneinkommen. Zugleich fühlen sie sich hauptverantwortlich für die Fürsorge ihrer Kinder. Aus Sicht des Caritasverbandes Rottenburg-Stuttgart haben viele Frauen keine andere Wahl, als diesen Rollenerwartungen gerecht zu werden. "Kinder zu haben und eine Familie zu gründen darf nicht weiterhin ein Armutsrisiko sein. Trotz dieser oft schwierigen Bedingungen geben Mütter alles, um für sich und ihre Kinder Chancen zu eröffnen", erklärt Prälat Wolfgang Tripp, Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Die Caritas unterstützt es daher, die Berufstätigkeit von Müttern zu ermöglichen. Sie stelle den effektivsten Schutz vor Kinder- und Frauenarmut dar. Zugleich fordert die Caritas mehr Hilfen für Familien, damit gerade für Mütter weniger Überlastungssituationen entstehen. Der Ausbau der Ganztagesschule, eine verlässliche Betreuung der Kleinkinder und die Förderung von Teilzeitausbildungen seien wichtige politische Signale. "Wir fordern weiter, dass sämtliche politische Entscheidungen das Kriterium "Familienverträglichkeit" erfüllen. Dazu gehören auch die Steuer- und Rentenpolitik, die Wohnungs- und Arbeitsmarktpolitik", so Tripp.
Der Caritasverband betont die Notwendigkeit, als Frau eine gute berufliche Qualifizierung zu erreichen. Fehle diese, seien Frauen auf Minijobs angewiesen. "Diese Form der Beschäftigung kann aber keine Existenz absichern. Minijobs bringen die Frauen nicht voran, sondern in vielen Fällen direkt in die Armutsfalle", so Tripp.
Dass eine gute berufliche Qualifikation für eine eigenständige Existenz der Frau unerlässlich ist, betont auch der Sozialdienst Katholischer Frauen SKF, Fachverband des Caritasverbandes Rottenburg-Stuttgart. Der SKF berät und begleitet Frauen bei der beruflichen Qualifizierung. Aufgrund dieser Erfahrung weiß SKF-Geschäftsführerin Angela Riße, dass sich Frauen ohne Abschluss bei einer Bewerbung weiter unten einreihen: "Sie haben deutlich weniger Chancen und Verdienstaussichten." Riße empfiehlt Frauen daher, möglichst bald nach der Geburt der Kinder die eigene berufliche Perspektive in den Blick zu nehmen: "Es ist angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklungen heutzutage angezeigt, dass Frauen ein eigenständiges Einkommen erzielen." Zudem sei nicht mehr gesichert, dass Frau heute in einer Partnerschaft alt würden und dadurch materiell abgesichert seien.
Die Caritas macht mit ihrem Jahresthema 2013 "Familie schaffen wir nur gemeinsam" auf die Missstände in der deutschen Familienpolitik aufmerksam. Dahinter steht die Forderung nach einer solidarischen Politik, die klar zum Ausdruck bringt, dass die Unterstützung von Familien gewollt und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Es gilt vor allem, Familien mit wenig Einkommen zu unterstützen und eine gute Infrastruktur für alle Familien zu schaffen.
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