Was sind die Voraussetzungen eines Arbeitsunfalls?
26.09.2014 / ID: 175745
Politik, Recht & Gesellschaft
Toni Ivanov: Was ist ein Arbeitsunfall?
Fachanwalt Bredereck: Damit das Vorliegen eines Arbeitsunfalls überhaupt in Betracht gezogen werden kann, muss ein Unfall vorliegen. Gem. § 3 I SGB VII sind Unfälle zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen. Eine freiwillige Einwirkung auf den Verunfallten schließt den Unfall aus.
Toni Ivanov: Und wann ist der "bloße" Unfall als Arbeitsunfall zu qualifizieren?
Fachanwalt Bredereck: Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass sich der Begriff "Arbeitsunfall" lediglich auf die Unfälle bezieht, die Beschäftigte während der Arbeitszeit erleiden. Tatsächlich liegt aber ein Arbeitsunfall dann vor, wenn eine versicherte Person infolge einer versicherten Tätigkeit einen Unfall erleidet.
Unter den Versicherungsschutz fallen auch die Toilettengänge, der Weg zur Kantine und der Hinweg zu der versicherten Tätigkeit sowie der Rückweg. Voraussetzung für das Vorliegen eines sogenannten Wegeunfalls ist jedoch die Auswahl eines direkten, sinnvollen Weges zur Arbeitsstelle. Eine Unterbrechung oder ein Umweg schließt den Wegeunfall aus.
Toni Ivanov: Heißt das, dass sämtliche Unglücke, die am Arbeitsplatz passieren, als Arbeitsunfall zu kategorisieren sind?
Fachanwalt Bredereck: Nein. Die versicherte Tätigkeit muss für den Unfall ursächlich gewesen sein, wobei die ausgeübte Tätigkeit bei wertender Betrachtung dem versicherten Tätigkeitsbereich zuzurechnen sein muss. Neben der zeitlichen und räumlichen Nähe zum Betrieb wird daher vorausgesetzt, dass die Handlung, bei der das Unfallereignis eintritt, bestimmt war, objektiv betrieblichen Zwecken zu dienen. Nicht als Arbeitsunfall zu werten ist daher das Verunfallen bei der privaten Nutzung von betriebseigenen Geräten. Im umgekehrten Fall ist ein Arbeitsunfall anzunehmen, wenn der Arbeitnehmer während seiner versicherten Tätigkeit ein kurzes Privattelefonat führt. Der innere Zusammenhang entfällt jedoch bei der sogenannten selbstgeschaffenen Gefahr, die nur dann relevant ist, wenn ihr betriebsfremde Motive zugrunde liegen, also wenn die betriebsbedingten Umstände keine wesentliche Ursache mehr für den Unfall darstellen.
Toni Ivanov: Was soll ich machen, wenn ich einen Arbeitsunfall erleide?
Fachanwalt Bredereck: Im Falle eines zur Arbeitsunfähigkeit führenden Arbeitsunfalls unterliegt der Arbeitnehmer einer Meldepflicht. Damit er seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber behält, muss er seine Arbeitsunfähigkeit unverzüglich seinem Arbeitgeber melden, wobei diese Meldung bei einer zu erwartenden Dauer von mehr als drei Tagen in Form einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erfolgen muss.
Toni Ivanov: Und bekomme ich dann eine Entschädigung?
Fachanwalt Bredereck: Wird ein Arbeitsunfall anerkannt, so hat der betroffene Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn er mindestens vier Wochen ununterbrochen im Arbeitsverhältnis steht. Der Umfang des Anspruchs orientiert sich regelmäßig am eingetretenen Schaden. Sein Ziel ist, den Zustand wiederherzustellen, der vor dem Unfallereignis vorlag. Die Lohnfortzahlung obliegt für eine Dauer von sechs Wochen dem Arbeitgeber, der in diesem Zeitraum das volle Arbeitsentgelt zahlen muss. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger an, so wird die Zahlung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, die allerdings nur 70 % des Arbeitslohns für maximal 78 Wochen auszahlen.
13.09.2014
Ein Beitrag von Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen.
Videos und weiterführende Informationen mit Praxistipps zu allen aktuellen Rechtsfragen finden Sie unter: http://www.fernsehanwalt.com
Arbeitsunfall Arbeitsplatz Arbeitgeber Arbeitnehmer Fachanwalt Arbeitsrecht Rechtsanwalt Berlin Essen
http://www.recht-bw.de
Bredereck & Willkomm
Am Festungsgraben 1 10117 Berlin
Pressekontakt
http://www.recht-bw.de
Bredereck & Willkomm
Am Festungsgraben 1 10117 Berlin
Diese Pressemitteilung wurde über PR-Gateway veröffentlicht.
Für den Inhalt der Pressemeldung/News ist allein der Verfasser verantwortlich. Newsfenster.de distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen.
Empfehlung | devASpr.de
Kostenlos Artikel auf newsfenster.de veröffentlichen
Kostenlos Artikel auf newsfenster.de veröffentlichen
Weitere Artikel von Alexander Bredereck
29.06.2018 | Alexander Bredereck
Kündigung im Kleinbetrieb: Chancen auf eine Abfindung?
Kündigung im Kleinbetrieb: Chancen auf eine Abfindung?
29.06.2018 | Alexander Bredereck
Eine Arbeitnehmerin will gekündigt werden. Was kann man ihr raten?
Eine Arbeitnehmerin will gekündigt werden. Was kann man ihr raten?
29.06.2018 | Alexander Bredereck
Kündigung eines befristeten Arbeitsverhältnisses: Chancen auf eine Abfindung?
Kündigung eines befristeten Arbeitsverhältnisses: Chancen auf eine Abfindung?
29.06.2018 | Alexander Bredereck
Kündigungsschutzklage: Welche Frist gilt? Was, wenn man sie versäumt?
Kündigungsschutzklage: Welche Frist gilt? Was, wenn man sie versäumt?
25.06.2018 | Alexander Bredereck
Haftung eines Low Performers - Der innerbetriebliche Schadensausgleich
Haftung eines Low Performers - Der innerbetriebliche Schadensausgleich
Weitere Artikel in dieser Kategorie
18.03.2026 | Sovest LLC
Tansanias Präsidentenberater Nyalandu: Fall Jakub Jahl ist Gegenstand staatlicher Aufmerksamkeit
Tansanias Präsidentenberater Nyalandu: Fall Jakub Jahl ist Gegenstand staatlicher Aufmerksamkeit
18.03.2026 | Caroline Dostal - SoulMeditaion
Caroline Dostal begeistert mit Vortrag zum Frauentag
Caroline Dostal begeistert mit Vortrag zum Frauentag
18.03.2026 | Candystorm PR GmbH
Neustart für Brandenburgs Baupolitik: BFW Landesverband begrüßt neue Landesregierung und sieht Zusammenarbeit positiv entgegen
Neustart für Brandenburgs Baupolitik: BFW Landesverband begrüßt neue Landesregierung und sieht Zusammenarbeit positiv entgegen
18.03.2026 | Bund-Verlag GmbH
Deutscher Betriebsrätepreis: Der Countdown läuft
Deutscher Betriebsrätepreis: Der Countdown läuft
18.03.2026 | Konzeptional GmbH
Polizzen-Clearing: Wenn das "Nein" nicht das Ende ist
Polizzen-Clearing: Wenn das "Nein" nicht das Ende ist

