Pressemitteilung von astrid ebenhoch

HUNDEFÜHRERSCHEIN: DIE DEUTSCHEN UND IHR REGULIERUNGSWAHN


Politik, Recht & Gesellschaft

Wozu einen Hundeführerschein?

Mit der generellen Einführung des Hundeführerscheins wollen Politiker die "öffentliche Sicherheit" erhöhen. Das bedeutet: Sie erzeugen beim Wahlvolk die Illusion, dass damit die Beißunfälle vermieden werden. Die Medien, allen voran die Bildzeitung, bedienen mit den Bildern von "blutrünstigen Kampfmaschinen" die Urangst der Menschen vor dem bösen Wolf.

Der perfekte Hund

Wer unbedingt einen Hund haben möchte, so die Vorstellung des Gesetzgebers, muss auch dafür sorgen, dass er perfekt funktioniert: Er darf niemand belästigen, muss aufs Wort gehorchen und sich so verhalten wie es sich die Bürger wünschen, nämlich brav. Der Gesetzgeber macht eine Verbeugung vor allen, die keine Hunde mögen oder gar hassen.

Wer die Sachkundeprüfung (Hundeführerschein) ablegt, wie sie in vielen Bundesländern schon obligatorisch oder Voraussetzung für die Befreiung vom Leinenzwang ist wie in Hamburg, muss bei der schriftlichen Prüfung auch etwas über Dominanz wissen und beispielsweise diese Frage beantworten:

Welche Methode ist geeignet, um die Rangordnung zwischen Mensch und Hund klarzustellen bzw. sich als Mensch die höchste Rangposition zu erarbeiten?
Barry Eaton (Dominanz, 2003) fragt, welchen Grund ein Hund eigentlich haben sollte, nach Dominanz zu streben und in einer Menschenfamilie Chef sein möchte? Er will überhaupt keine Alpha-Position, sondern dazugehören und geliebt werden.

Die meisten Hundehalter prügeln ihre Hunde nicht mehr, doch das Thema Dominanz ist noch nicht erledigt, jedenfalls nicht in der Praxis der Hundeerziehung. Aber es gibt Hundetrainer, die arbeiten mit Methoden, die der Prügelstrafe nahe kommen und auch eine Art von Gewaltanwendung wie zu Beispiel der Alphawurf, der nach Auffassung mancher Hundetrainer zur Disziplinierung notwendig sei. Der Hund wird am Nacken gepackt, in die Luft geschleudert und dann auf den Rücken geworfen.

Es gibt tatsächlich Hundetrainer, die Weisheiten verbreiten, die für das Bestehen des Hundeführerscheins vorteilhaft sein könnten:

- Der Hund darf nicht vor der Tür oder an der Treppe liegen. Er hat seinen zugewiesenen Platz, und nur dort darf er liegen.

- Der Hund darf nichts Eigenes haben, auch kein Spielzeug. Man muss es ihm nach dem Spielen immer wegnehmen.

- Der Hund darf auch ruhig einmal kräftig geschlagen werden, man sollte nur darauf achten, dass keine inneren Organe verletzt werden. Aus diesem Grund bekommt der Hundehalter eine Zeichnung, auf der die Punkte gekennzeichnet sind, wohin man schlagen sollte. Wahrscheinlich um zu vermeiden, dass man wegen Tierquälerei anzeigt wird.

Was sagen "Experten" zum Hundeführerschein?

Dr. Wechsung:

Zum Angeln brauche ich einen Angelschein, aber einen Hund kann ich mir einfach im nächsten Hinterhof kaufen, ohne dass ich mir jemals über Verhalten, Verantwortung oder Erziehung Gedanken gemacht habe.

Professor Kotrschal:

Muss man als Eltern einen Befähigungsnachweis erwerben, bevor man ein Kind zeugen darf? Wir sind dabei, aus einer bürgerlichen Gesellschaft eine Misstrauen- und Regulierungsgesellschaft zu machen.
(Quelle: Experten-Talk Dogs-Magazin 4/2010)

Friede, Freude, Eierkuchen

Es gibt auch Hundehalter, für die der Hundeführerschein die einzige Lösung zu sein scheint für ein harmonisches Miteinander von Hund und Mensch. Bloß keinen Streit, nur keinen Ärger verursachen. Wenn Sie von weitem einen Radfahrer oder Jogger sehen, nehmen sie ihren Hund an die Leine. Sie nehmen Rücksicht und die Hunde sind die Leidtragenden. Sie sind eben rechtlos.

Bunte Hundezeitungen verstärken den Trend.

Um Konflikte zu vermeiden, sollte man immer auf den Wanderwegen bleiben und den Hund nicht abseits des Weges herumstöbern lassen. Bei ausgedehnten Streifzügen ist es ohnehin sicherer, den Vierbeiner anzuleinen. Auch an der Leine hat er ausreichend Bewegung und wird am Abend müde und zufrieden ins Körbchen fallen (Quelle "Zeit für Tiere" - 4/2011 "Der Herbst wird bunt")

Gute Nacht, Deutschland!

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Karl-Heinz List ist Autor, Unternehmens-, Personalberater und Initiator der Initiative Pro Hund

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