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Von Esslingen an die niederländische Nordsee: Wie eine Pfarrerstochter zur ‘Zarin von Bergen’ wurde


31.08.2026 / ID: 445337
Tourismus & Reisen

Von Esslingen an die niederländische Nordsee: Wie eine Pfarrerstochter zur ‘Zarin von Bergen’ wurdeViele kennen das Künstlerdorf Bergen sowie den Badeort Bergen aan Zee. Aber nur wenige wissen, dass hinter der Idylle dieser beiden nordholländischen Ortschaften die Vision und Schaffenskraft einer deutschen Powerfrau stecken: Marie van Reenen, geborene Völter. Im Alter von 19 Jahren kam die Pfarrerstochter 1873 aus Esslingen nach Bergen, um ihren Dienst als Gouvernante in der Familie van Reenen anzutreten. In wenigen Jahrzehnten leistete sie hier beeindruckende Pionierarbeit.

Von der Gouvernante zur Grande Dame

Marie stammte aus einer gebildeten Familie, die jedoch aufgrund des frühen Todes ihres Vaters in finanziell schwierigen Verhältnissen lebte. Nach einem Aufenthalt in Paris, nahm sie die Kinder des Großgrundbesitzers und Bürgermeisters Jan Jacob van Reenen unter ihre Obhut. Schon bald verliebten sie und der älteste Sohn Jacob van Reenen sich ineinander. Trotz vieler Widerstände heirateten beide schließlich und lebten im Hause Kranenburgh, das heute als Kunstmuseum dient.

Bildung für starke Frauen

Marie war jedoch weit mehr als nur Ehefrau des Gutsherrn und Bürgermeisters. Vielmehr setzte sie sich mit Nachdruck für die Bildung und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Mädchen und Frauen ein. In diesem Zuge gründete sie 1896 in Alkmaar die erste Haushalts- und Industrieschule für Mädchen, für die sie sowohl als Lehrerin als auch als Geschäftsführerin tätig war. Mit dieser außergewöhnlich vorausdenkenden Haltung ebnete sie Frauen tatkräftig den Weg in viele verschiedene Berufe.

Tourismus- und Stadtentwicklung

Darüber hinaus war sie die treibende Kraft hinter der Entwicklung Bergens vom abgeschiedenen Dünendorf zum beliebten Ziel für Besucher und Künstler. Sie skizzierte die Pläne für neue Wohn- und Erholungsgebiete, eröffnete eine Pferderennbahn und sorgte für eine direkte Bahnverbindung von Alkmaar nach Bergen. Zugleich lud sie Künstler zu Ausstellungen und Zusammenkünften nach Bergen ein und schuf so den Nährboden für die noch heute berühmte „Bergener Schule“.

Lebenswerk: Bergen aan Zee

Die wohl sichtbarste Spur Marie van Reenens führt jedoch direkt an die Nordsee, wo sie unweit von Bergen den mondänen Badeort Bergen aan Zee gründete. Dafür kaufte sie Grund an, ließ eine prächtige Zufahrtsstraße anlegen und holte bekannte Architekten und Hoteliers an Bord. Nicht zuletzt sorgte sie für eine direkte Straßenbahnanbindung sowie den Bau der ersten ökumenischen Kirche der Niederlande, die sie nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs dem Frieden widmete.

Auf den Spuren der „Zarin von Bergen“

Wer heute durch Bergen oder Bergen aan Zee spaziert, wandelt nahezu überall auf den Spuren einer außergewöhnlichen deutschen Frau. Im Parnassiapark in Bergen aan Zee finden Besucher eine Büste von Marie van Reenen, im Heimatmuseum Sterkenhuis können sie die Sammlung bewundern, mit der sie schon zu Lebzeiten begann, die Geschichte Bergens für die Nachwelt festzuhalten. Bedeutende Werke der „Bergener Schule“ sowie moderne Kunst können hingegen im Museum Kranenburgh bestaunt werden, dem früheren Wohnhaus von Marie van Reenens Familie.

Lesetipp (auf Niederländisch):

In seinem Buch „De tsarina van Bergen“ (Die Zarin von Bergen) zeichnet Schriftsteller René van der Heijden ein facettenreiches Porträt der beeindruckenden Persönlichkeit Marie van Reenen. Grundlage sind unter anderem die bislang kaum ausgewerteten Memoiren Jacobs van Reenen sowie eigene Recherchen.

Im Auftrag von Hart van Noord-Holland (https://www.ontdekhartvannoordholland.nl/de-de)

(Bildquelle: Hart van Noord-Holland)

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