Weltwirtschaft vor dem GAU
20.03.2011 / ID: 7414
Unternehmen, Wirtschaft & Finanzen
Zülpich (wnorg) - Japan leidet. Die Bevölkerung lebt in Angst vor dem atomaren aber auch dem wirtschaftlichen GAU. Wie schnell kann die derzeitige Situation zum GAU für die Weltwirtschaft werden?
Michael von Hochstetten, Ressortleiter für Weltwirtschaft und Finanzmärkte am Institut für Wirtschaftsforschung IWB: "Bereits ohne einen atomaren Super-GAU wird die japanische Wirtschaft volkswirtschaftliche Schäden von umgerechnet deutlich mehr als 100 Milliarden Euro verkraften müssen. Ganze Landstriche sind verwüstet, die Energieversorgung ist schwer getroffen und hunderttausende von Japanern stehen vor dem Nichts. Diese regionale Katastrophe bereitet ihre Schockwellen aber erst auf die Weltwirtschaft aus, wenn zum Beispiel die Aktienmärkte nachhaltig darauf reagieren", so der IWB-Experte.
"Die Aktienmärkte werden nach erster Einschätzung erst dann nachhaltig beeinflusst, wenn Panikreaktionen folgen, weil zum Beispiel die Produktion in Japan auf eine längere Zeit beeinträchtigt wird oder ausfällt. Da Tsunami und Erdbeben aber vorwiegend landwirtschaftliche Flächen getroffen haben und wichtige Industriezentren Japans in anderen Regionen des Inselstaates liegen, sind nachhaltige volkswirtschaftliche Einflüsse auf Weltwirtschaft und Finanzmärkte durch die aktuelle Katastrophenlage in Japan noch nicht zu sehen", so Michael von Hochstetten.
Kritisch sieht der IWB-Experte des Instituts für Wirtschaftsforschung IWB jedoch die Situation im Falle eines atomaren Super-GAUs. "Eine radioaktive Wolke mit Richtung in das Landesinnere Japans könnte riesige Gebiete des Landes unbewohnbar machen und eine der größten Volkswirtschaften der Erde ins Straucheln bringen", so Michael von Hochstetten.
Er erläutert: "Das könnte mittelbar und unmittelbar auch viele Weltfirmen am Standort Japan empfindlich treffen. Deren sinkende Aktienkurse könnten in der Folge dazu führen, dass betroffene Unternehmen erhebliche Abschreibungen am Wert ihrer Unternehmensvermögen vornehmen. Wenn dies bei einer Vielzahl von Schlüsselunternehmen wichtiger Branchen der Weltwirtschaft gleichzeitig passieren würde, käme diese Schockwelle auch bei vielen ohnehin schon gebeutelten Finanzinstituten an. Das könnte schon in 2011 bedeuten: Die Weltwirtschaftskrise kehrt zurück."
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