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18.01.2011 | Unternehmen, Wirtschaft & Finanzen | geschrieben von Günter Verstappen¹ | Pressemitteilung löschen

Deutschland 2011: Firmenübernahmen

Frankfurt (wnorg) - Deutschlands Wirtschaft ist attraktiv. Und viel Geld schwimmt schon wieder in den internationalen Finanzgewässern. Die Zinsen verharren immer noch auf Rekordtief und die Kriegskassen für Firmenübernahmen sind vielerorts schon wieder erstaunlich gut gefüllt. Da geraten auch deutsche Firmen ins Visier für Spekulationen. Aber solvente deutsche Firmen könnten den Spieß auch umdrehen.

Hierzu schreibt die Börsenzeitung: "Die Listen mit potenziellen Übernahmeopfern sind lang. Und sie werden länger, je stärker die Unternehmen werden. Klangvolle Namen von Konzernen mit geringer Verschuldung und hohen Bar-Reserven locken ausländische Interessenten an, für die Dax und MDax ideale Hebel darstellen, um am Asien-Boom teilzuhaben. Die Fälle Hochtief und Demag haben im ablaufenden Jahr einen Vorgeschmack davon gegeben, was 2011 anstehen könnte.

Auch wenn hiesige Unternehmen weitaus besser durch die Krise gekommen sind als ihre Rivalen in anderen Ländern, sind sie bei Fusionen und Übernahmen 2010 nur wenig in Erscheinung getreten. Wenige große Deals prägen das Bild. Von den 3 Bill. Dollar, die global für Fusionen und Übernahmen im auslaufenden Jahr spendiert werden, entfallen bloß 83 Mrd. auf Deutschland.

Kurz vor Ultimo werden Fortschritte beim Feilen an den Portfolios gemeldet. Dabei werden dreistellige Millionenbeträge in die Hand genommen beziehungsweise in die eigenen Kassen geleitet. Die Unternehmen stärken damit entweder ihre Cash-Reserven oder sie strapazieren die Bilanz für Akquisitionen - beides kann als Instrument gegen mögliche "feindliche" Bieter dienen.

Auf der Käuferseite steht Gea: Der Anlagenbauer verstärkt sich mit einem Zukauf in der Lebensmittelindustrie und kauft in den Niederlanden zum Unternehmenswert von 435 Millionen Euro ein. Zuvor hatte sich Pfeiffer Vacuum in den USA gestärkt. Randaktivitäten geben aktuell Merck, Eon und Beiersdorf ab. Der Pharma- und Chemiekonzern holt 210 Millionen Euro aus dem Verkauf der Agrochemie. Der Versorger trennt sich vom Gasnetz in Italien für 290 Millionen Euro.

Und die unter Druck geratene Beiersdorf, die sich Rendite-Ziele abschminken muss, gibt Juvena-Hautpflege ab. Siemens hat gerade mehrfach bereinigt, Bilfinger Berger bereitet die Abgabe in Australien vor, Tui arbeitet am IPO von Hapag-Lloyd, Salzgitter platziert ein Aurubis-Paket.

Merck, Beiersdorf und Salzgitter zählen nach einschlägigen Listen trotz ihrer Aktionärsstruktur zu denen, die ins Fadenkreuz geraten können - wie K+S, Symrise, Stada oder KlöCo und MAN. Viele Firmen, die sich für Übernahmen interessieren, verfügen dank des Aufschwungs über reichlich Liquidität. Die Kapitalmärkte stehen offen und die Zinsen verharren auf historisch niedrigem Niveau. Da werden einige ganz schön strampeln müssen, um unabhängig zu bleiben.

(Börsen-Zeitung, 51. KW 2010)

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