Pressemitteilung von Markus Fertig

Wer regiert, bestimmen die Spätentscheider - und die Medien


18.09.2013 / ID: 136965
Politik, Recht & Gesellschaft

Berlin | Heidelberg | Wiesbaden, 18.09.2013. Laut einer repräsentativen Mehr-Methoden-Studie zur Bundestagswahl 2009 waren sich 50 Prozent der Befragten zu Beginn der heißen Wahlkampfphase vier Wochen vor der Wahl noch nicht sicher, wem sie ihre Stimme geben. Und der Anteil dieser sogenannten Spätentscheider wird nach Ansicht der Wissenschaftler weiter steigen. Während die Stammwähler traditionell mehr oder weniger immer dieselbe Partei wählen und somit bisher eine solide Basis gebildet haben, bilden sich die Spätentscheider ihre Meinung kurzfristig und nicht zuletzt anhand von aktuellen Informationen aus den Massenmedien. Der Einfluss der Berichterstattung geht nach den aktuellen Studien-Ergebnisse, die gerade im Fachbuch "Die Spätentscheider". bei Springer VS erschienen sind, auch von der Darstellung möglicher Koalitionen aus.

Der Spätentscheider, das unbekannte Wesen: Wählt er irrational, emotional und impulsiv? Oder ist er im Gegenteil besonders gewissenhaft und nimmt sich die Zeit, um im Verlauf des Wahlkampfs Argumente gründlich gegeneinander abzuwägen? Die Antwort der Wissenschaftler nach der Auswertung der Umfrage ist eindeutig: Sowohl als auch. Denn wie auch bei den Frühentscheidern, spaltet der Grad des politischen Wissens und Interesses die Gruppe der Spätentscheider in die uninvolvierten und involvierten Vertreter. Wider Erwarten sind es aber gerade die involvierten Nutzer aufgrund ihres großen Informationsbedürfnisses und der großen Bedeutung, die sie den Medien geben, anfälliger für Medienwirkungen. Die uninvolvierten Spätentscheider hingegen treffen ihre Wahlentscheidung auf einer außerordentlich schmalen Informationsbasis und eher intuitiv als reflektiert.

Die Autoren Carsten Reinemann, Marcus Maurer, Thomas Zerback und Olaf Jandura sind überzeugt: "Die Studien-Ergebnisse sind nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Planung von Wahlkampagnen der Politik, die Berichterstattung der Massenmedien und den Umgang mit Umfragen von Bedeutung." Denn die Entscheidungen der Spätentscheider könnten auch in der heißen Wahlkampfphase noch zu fundamentalen politischen Verschiebungen führen - und zwar auch über die politischen Lager hinweg. Für die politischen Parteien bedeute dies, dass sich kommunikative Anstrengungen in den Kampagnen tatsächlich bis zum Schluss lohnen. Die Medien fordern die Wissenschaftler auf, bei der Darstellung von Meinungsklima und Umfrageergebnissen auch weiterhin auf die Zahl der zu einem bestimmten Zeitpunkt noch unentschlossenen Wähler hinzuweisen. Zudem müssten alle Umfragedaten, die bis zum Wahltag erhoben werden, umgehend veröffentlicht werden. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass die Bürger auf einer möglichst validen Basis entscheiden, ob und wie sie ihre Stimme taktisch vergeben wollen.

Dr. Carsten Reinemann ist Professor für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt politische Kommunikation am Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München und Sprecher des interdisziplinären Munich Center on Governance, Communication, Public Policy and Law (MCG).

Dr. Marcus Maurer ist Professor für Empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dr. Thomas Zerback ist Akademischer Rat am Department für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München mit den Schwerpunkten politische Kommunikation, Methoden und Wirkungsforschung.

Dr. Olaf Jandura ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der empirischen Kommunikationsforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Weitere Informationen:
http://www.springer.com/about +springer/media/pressreleases?SGWID=1-11002-6-1436541-0 | Pressemitteilung + Materialien zum Herunterladen
http://www.springer-vs.de/978-3-658-02655-4 | Informationen zum Buch
Wahl Wahlkampf Wählerverhalten Meinungsbildung Meinungsforschung Umfragen Stammwähler Wechselwähler Nichtwähler Wahlkampagnen

http://www.springer-vs.de
Springer VS | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Abraham-Lincoln-Straße 46 65189 Wiesbaden

Pressekontakt
http://www.springer-vs.de
Springer VS | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Abraham-Lincoln-Straße 46 65189 Wiesbaden


Diese Pressemitteilung wurde über PR-Gateway veröffentlicht.

Für den Inhalt der Pressemeldung/News ist allein der Verfasser verantwortlich. Newsfenster.de distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen.

Weitere Artikel von Markus Fertig
20.03.2014 | Markus Fertig
Eine Lobby für die Zukunft
17.12.2013 | Markus Fertig
CSI-Effekt: Die Macht des Crime-TV
Weitere Artikel in dieser Kategorie
17.12.2025 | Die Menschenleserin aus Franken
Weihnachten im Team Familie
S-IMG
Über Newsfenster.de
seit: Januar 2011
PM (Pressemitteilung) heute: 0
PM gesamt: 434.215
PM aufgerufen: 74.990.289